Munk und Gomma Records: Spiel ohne Grenzen

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Eine einmalige Gelegenheit: Munk gibt bei der Aftershowparty des MUSIKEXPRESS STYLE AWARD 2012 ein DJ-Set, davor spielt die britische Newcomerband TOY! exklusiv für Musikexpress ein Konzert. Die Verleihung findet am Donnerstag, 11. Oktober, im Berliner E-Werk statt.

Einlass erhält man nur über die Gästeliste des Musikexpress – es gibt keine Tickets im Verkauf!

Ihr könnt jedoch plus Begleitung dabei sein. Wir verlosen ein limitiertes Kontingent für die Aftershow-Party des MUSIKEXPRESS STYLE AWARD. Einfach mailen und euren Namen und den eurer Begleitung angeben: styleaward@musikexpress.de. Viel Erfolg! Die Gewinner werden per Mail benachrichtigt.

In unserem Porträt stellen wir Munks Gomma Records vor:

Der Weltgeist schwebt über dem Küchentisch. Von der Münchener Maxvorstadt geht es über Marseille und Manhattan weiter nach Lateinamerika. „Ich war vor Weihnachten zweimal in Brasilien“, sagt Mathias Modica. „Unsere CD-Verkäufe dort sind nicht der Rede wert. Das geht gegen null. Doch beim Gomma-Abend in Rio de Janeiro standen 1 700 Leute auf der Matte. Einige von denen waren echte Spezialisten, die unsere Songs aus dem Netz kannten. Sie haben in ihren Blogs darüber berichtet und ihre Netzwerke aktiviert. Daraufhin reagierten auch Radios und Stadtmagazine. Und irgendwann war Gomma dort ein Begriff. In Mexiko ist das ähnlich gelaufen, obwohl wir nichts dafür getan haben.“ So klingen Export-Erfahrungen eines kleinen, deutschen Indie-Labels, das im Laufe des Jahres 2000 als „Künstlergemeinschaft“ entstanden ist. „Wir haben Ende der Neunziger mit Clubnächten begonnen, die im Ultraschall oder den paar Off-Orten, die es in der Stadt gab, einen neuen Sound in München etablierten“, so Modica. Und da stets bildende Künstler und Designer um diese Musikprojekte schwirrten, habe sich das Ganze ein wenig wie die New Yorker Factory angefühlt. The Velvet Underground in der bayerischen Digitalversion.

Zwölf Jahre später hocken Modica und Labelpartner Jonas Imbery in der Teeküche ihrer spartanischen Hinterhof-Zentrale unweit der Universität. Eine funktional-abgerockte Ausstattung muss reichen. Auch das angeschlossene Tonstudio protzt nicht mit Hardware-Overkill. Für den Moment wirken die beiden überaus entspannt. Es war ein gutes Jahr für Gomma Records, vielleicht das beste bisher. Eine Mischkalkulation aus Plattenfirma, Bookingagentur und Verlagsgeschäften, die ein Labelmanager nebst Assistent im Tages­geschäft abarbeitet. Mikrostrukturen für den globalen Markt. Rund 50 Prozent der Label­umsätze erzielt Gomma Records über das nicht-körperliche Geschäft, also Downloads und Rechte, wobei die Digitalquote von Thema zu Thema sehr unterschiedlich ist. „Unsere Gomma-Dance-Tracks erscheinen überwiegend digital, da wir auch sehr viele Wav-Formate verkaufen. Unsere Käufer achten zum Glück auf Qualität. Wir halten zwar selber gerne ein Produkt in den Händen, doch bei den Singles lohnt sich das meist nicht mehr. Bei Bands wie Box Codax oder WhoMadeWho dagegen laufen weiterhin die klassischen Alben; wobei wir die Stückzahlen bei CDs und Vinyls ohnehin konservativ kalkulieren. Bevor wir auf Halde liefern, pressen wir lieber mal 500 oder 1 000 Exemplare nach“, sagt Imbery. Über 160 Singles, Sampler und Alben haben sie seit Gründung veröffentlicht. Was einst mit zeit­gemäßen Bearbeitungen (den sogenannten „Edits“) von obskuren New-Wave- und Elektro-Punk-Songs aus den frühen Achtzigern begann, hat sich längst zu einem eigen­ständigen Repertoire entwickelt. Aus den Com­pilations Teutonik Disaster und Anti NY der Anfangstage ist ein eigen­williger inter­nationaler Künstlerstamm geworden.

Und während die Musikindustrie weiterhin mit den Strukturen des Internets kämpft könnten sich die beiden ihre wirtschaftliche und künstlerische Exis­tenz ohne das Netz gar nicht mehr vorstellen. „ Ein kleiner Laden, wie wir es sind, könnte sonst gar nicht so präsent sein. Wir stehen im direkten Kontakt zu unserer Fanbasis, die weiterhin zu wachsen scheint. Die posten unsere Videos und wir bekommen 300 000 Zugriffe aus aller Welt. So einen Marketing-Etat könnten wir uns gar nicht leisten“, so Imbery. Das Raubkopiermonster hat hier seine Schrecken verloren; zumal die Labelchefs als DJs und Musiker von dieser viralen Verbreitung direkt über die Bookings profitieren. Über 150 Gigs hat Mathias Modica 2011 rund um den Globus gespielt. Das früher gemeinsam betriebene Produzentenprojekt Munk führt er mittlerweile alleine weiter; während Imbery unter dem Namen Telonius süffige House-Tracks einspielt oder gemeinsam mit Designer Mirko Borsche im Rahmen des Kollektivs The Fuze experimentelle Klangräume gestaltet.

„You’re not alone in the disco, baby“ steht an prominenter Stelle auf der Firmenwebsite. Gomma als charmanter Freund und Navigator im Ozean der Sounds. Sozusagen das aktuelle Firmenmotto, nachdem man den programmatischen München-Bezug der mittleren Labelphase ad acta gelegt hatte. „Made in Monaco“ haben sie damals ganz bewusst auf die Gomma-Platten gedruckt. „Damit konnte man richtig anecken, da die Stadt insgesamt als uncool galt und auf der Landkarte der elektronischen Musik nie so recht existierte, obwohl es natürlich interessante Künstler wie Funk­störung, Lali Puna oder DJ Hell hier gab. Mittlerweile hat sich das erübrigt, da München nicht nur von Magazinen wie ,Monocle‘ längst den Status als hipper Kulturort verordnet bekommen hat. Da müssen wir gar nicht mehr mitmischen“, sagt Jonas Imbery. Kollege Modica lebt zudem seit drei Jahren mit seiner Freundin im südfranzösischen Marseille. Über die räumliche Trennung des Gründerteams ist die Perspektive des Labels noch  internationaler geworden. In dieser Konstellation ist Modica zum Außenminis­ter des Hauses geworden, der bei seinen Touren die globalen Kontakte pflegt und Imbery als Betreuer des Münchner Studios eine Art Innenminister. „Wobei Jonas oft genug selbst am Wochenende in der Welt­geschichte unterwegs ist“, relativiert Modica. Was sich wiederum in den geplanten Gomma-Produktionen für 2012 ablesen lässt: ein Brücken­schlag von Europa nach Übersee.

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