Musikexpress Style Award: Interview mit Channy Leaneagh (Poliça)

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Im Interview fragten wir nach, weshalb eine Feministin Namensgeberin für Poliças Album ist, welche Rolle Mode in ihrem Leben spielt und an welchen ungewöhnlichen Orten sie gern einmal ihre Songs vortragen möchte.

Poliça treten am 10. Oktober beim Musikexpress Style Award auf.

Wie würdest du den Sound von „SHULAMITH“ im Vergleich zum Vorgängeralbum beschreiben?

„GIVE YOU THE GHOST“ war wie ein schüchternes Pochen an einer Tür während „SHULAMITH“ eher ein lautes Klopfen ist. Das neue Album hat ein größeres Klangspektrum. Es gibt bedeutend mehr Synthesizer- und Schlagzeug-Einflüsse, wodurch eine größere Dynamik entsteht.

Deine neue Album ist nach der kanadischen Schriftstellerin und Feministin Shulamith Firestone benannt. Wie kam es dazu?

Ich habe eines ihrer Bücher gelesen und fand, dass ihre Thesen gut zur Platte passen. Sie ist eine starke Frau und so etwas wie die „Superheldin“ des Albums. Männer und Frauen können viel von ihr lernen.

Was können wir von ihr lernen?

(Überlegt lang). Ich denke, all die Dinge aufzuzählen würde den Rahmen eines Interviews sprengen. Eine Sache die man von Shulamith lernen kann ist wahrscheinlich so etwas wie „Date less, make more Art“.

Siehst du dich selbst als Feministin?

In erster Linie sehe ich mich als Frau. Natürlich möchte ich dass sich die Lebenssituationen von Frauen auf der ganzen Welt verbessern und meine Tochter alle Ziele im Leben erreichen kann ohne ihre Sexualität einsetzten zu müssen.

Befasst du dich mit feministischen Bewegungen wie „Femen“?

Ich habe heute erst wieder einen Artikel über Femen gelesen. Es ist in vielen Teilen der Welt notwendig für Frauenrechte zu kämpfen und dennoch will ich mit meiner neuen Platte kein politisches Statement abgeben. Ich möchte gar nicht versuchen mich mit Menschenrechtlern die für Frauen in Indien oder Russland kämpfen auf eine Stufe zu stellen.„SHULAMITH“ soll kein Beitrag zum Feminismus sein. Ich wollte mein Album einfach nach jemandem benennen, der mir persönlich viel bedeutet. Ich bin nicht gut darin politische Reden zu schwingen, ich bin einfach nur Songschreiberin.

Du hast später noch ein Modeshooting für den Musikexpress. Wie wichtig ist dir Mode?

Ich bin nicht besonders modebewusst. Es gibt so viel Armut in der Welt, dass ich ein schlechtes Gewissen hätte, mich zu sehr mit diesem Thema zu beschäftigen. Auch wenn Mode eine schöne Ablenkung vom Alltag ist, so sollte man sich nicht von teuren Designer-Stücken blenden lassen, die mehr kosten als das was mache Leute in fünf Jahren verdienen.

Wenn du dennoch die Chance hättest bei einem Fotoshooting dein Aussehen zu verändern, was würdest du ausprobieren wollen?

Ich mag es meine Haare zu färben und wäre gern wieder einmal blond. Lange Haare wären auch toll.

Gibt es andere Musiker die du für ihren Stil, oder ihre Ausstrahlung bewunderst?

Ich mag Naeem Juwan von Spank Rock, die Performence-Kunst von Boychild und den nüchternen Stil von The XX. Auf der Bühne ist das Aussehen natürlich nicht egal, immerhin bezahlen Leute Geld dafür uns Künstler zu sehen.

Deine Musik hat einen ganz eigenen Sound. Suchst du dir deshalb auch hin und wieder ungewöhnliche Orte um sie vorzutragen?

Ich habe mit meiner früheren Band Gayngs einmal in einem Indianerreservat gespielt. Außerdem hatte ich einen Auftritt in einer Psychiatrie vor Jugendlichen die da seit Ewigkeiten drin waren und nicht rausgehen konnten um Konzerte zu besuchen. Wir haben dort Johnny Cash-Songs gespielt und waren erstaunt, dass die Jugendlichen alle Texte auswendig konnten. Es ist toll an Orten aufzutreten, an denen Menschen der Zugang zu Live-Musik üblicherweise verwehrt ist.

Wie kommt man zu solchen Auftritten?

Ich habe zwei Tanten die Nonnen sind und durch die bin ich auf diese Projekte Aufmerksam geworden. Wenn man als Künstler danach sucht gibt es viele Möglichkeiten in Krankenhäusern oder in Gefängnissen aufzutreten um den Menschen mit Musik einen Lichtblick zu geben.

Welche Musik bereichert gerade dein Privatleben?

Ich höre momentan gern den Pianisten Ludovico Einaudi. Der Song „Life“ klingt wie ein Lied aus einem Filmsoundtrack. Wenn wir durch die ganze Welt touren, höre ich ihn sehr oft  und stelle mir vor, dass das alles gar nicht real ist und ich nur eine Rolle in einem Film spiele.

Channy Leaneagh in 2012 in London.



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