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Onkel David singt und erzählt von früher

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Draußen, an der Spree, rund um die Mauerreste der East Side Gallery, warten sie schon, die Eventtouristen. Hunderte, vielleicht Tausende, die wegen The Hoff und dem guten Wetter kommen, nicht aber aus Protest gegen die geplante Bebauung des Spreeufers zwischen Oberbaumbrücke und Ostbahnhof. Sie halten Bierflaschen, orangefarbene Rettungsbojen, ihre Smartphones und Schilder in die Luft („The Hoff for Bürgermeister!“ „#Hofftastic“, „Looking For Freedom“), sie tragen Masken von The Hoff, sie johlen und jubeln, sie sprechen ironisch von einem geschichtsträchtigen Tag. Einer ist sogar mit einem Falcon vorgefahren, der K.I.T.T. sehr ähnlich sieht. Ein paar Media-Spree-Gegner sprechen Sätze in Fernseh-Kameras, in denen sie sagen, dass es doch nicht um den Kerl da vorne, sondern um dieses Mauerstück dort gehen würde. Aber das geht im Gejohle und den Handyfotos unter.

David Hasselhoff klettert in einen kleinen gelben Planwagen. Eine Bühne gibt es nicht, „vielleicht das nächste Mal“, wenn sein Besuch nicht so spontan passiert und er „all die Stars“ im Schlepptau hätte. Gebückt steht er, der Superstar der Wiedervereinigung, nun darin, im Demo-Mobil, spricht zwei Sätze über die Berliner Mauer und singt dann, immer wieder, den Refrain von „Looking For Freedom“ an. Seine Fans und alle anderen singen mit. Und plötzlich war The Hoff zwischen all der Politik und Ironie der Karnevalsprinz einer Stadt, die mit Jecken sonst so wenig zu tun haben möchte und doch von ihnen lebt.



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