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🔥„Dark“: So endet die Serie nach Staffel 3 | Das ist das Schicksal ihrer Figuren

Kritik

„Ozark“ Staffel 3 auf Netflix: Szenen einer Ehe im Kartellkrieg

Denn zu den unbeabsichtigten Stilmitteln der Serie gehört eine im Verlauf jeder Staffel erfolgende Überstrapazierung dessen, was man „suspension of disbelief“ nennt. Dieser Begriff bezeichnet die Voraussetzung der Zuschauermitarbeit, wenn eine Erzählung etwa ins Spekulative und Fantastische abdriftet. Eine derartige Abschaltung von Skepsis sollte bei guten Krimi-Serien seltener gefragt sein, weshalb auch „Ozark“ niemals mit „Breaking Bad“ mithalten werden kann. Und so begegnen wir auch in dieser Season wieder reichlich Überzogenem und Überzeichnetem im Kleinen, und einer klaffenden Unwahrscheinlichkeit im Großen: Wie, um alles in der Welt, konnten die Byrdes noch nicht vom FBI gefasst werden? Natürlich sind die Ermittler in der Beweisschuld. Aber seit die Byrdes nach Osage Beach gezogen sind, türmen sich die Leichen und wir sollen weiterhin glauben, dass die (in anderen Serien weniger zimperlichen) Strafverfolgungsbehörden einfach wenig Handhabe haben. Stattdessen richtet das Autorenteam seinen Fokus eher darauf zu erklären, weshalb die Byrdes noch nicht vom Kartell umgelegt wurden. So werden uns ausufernde Vertrauensproben präsentiert, für die weder Kartellbosse (meine Vermutung), noch Zuschauer*innen die nötige Geduld haben.

Andeutung einer Rückbesinnung

Und so gestaltet sich die dritte Staffel von „Ozark“ leider etwas mühsam – trotz genial konstruierter Handlungsmomente und einem sich zum Ende hin wieder sehr spannend zuspitzenden, lebensbedrohlichen Interessenkonflikt. Dennoch sollte man die Serie nicht vorzeitig abschreiben, denn eine Rückbesinnung auf ihre eigentlichen Stärken ist in Sicht: die psychopathische Witwe und frisch gebackene Adoptivmutter Darlene Snell (Lisa Emery), eine der seit jeher interessantesten Figuren von „Ozark“, sucht im Verlauf dieser Staffel nach neuen Verbündeten und sieht sich dafür bei den nun auf Ruth und Wyatt (Charlie Tahan) dezimierten Langmores um. Vom Kampf gegen zugezogene Neukriminelle wie die Byrdes will sie mit dem Verweis auf Lokal- und Herkunftspatriotismus überzeugen.

Womit wir wieder bei der Fish-out-of-Water-Ausgangssituation von „Ozark“ wären und der Frage, ob die Byrdes genügend Hingabe an ihr kriminelles Leben aufbringen können, um gegen den zu bedingungsloser Loyalität verpflichtenden Kodex von Traditionskriminellen im Mittleren Westen ankommen zu können. Eine Wiederaufnahme dieses Themas wäre in den kommenden Staffeln wünschens- und absolut sehenswert.



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