Popkolumne, Folge 54

Gegen Spanner, Sexismus und Sackgesichter: Paulas Popwoche im Überblick


Wir haben eine Nachfolgerin gefunden: Nach Julia Lorenz' Abgang als Popkolumnistin an der Seite von Linus Volkmann wird fortan Paula Irmschler an ihrer Stelle übernehmen. In ihrer Auftaktkolumne vermisst sie schon jetzt das Kosmonaut Festival, unterstützt Rache am Patriarchat und kürt Billie Eilish als ihre neue Queen B. Herzlich willkommen, Paula!

Hallo Leute!

Das ist Paula. Hi!

Ich lasse meine erste Popkolumne direkt mal mit einem Abschied beginnen, weil ich eher so die melancholische Sorte Mensch bin. Rückwärts immer! Das Kosmonaut Festival gibt Bescheid, dass Schluss ist. Siebenmal fand es statt, aber in Zukunft nicht mehr, weil man muss gute Ideen ausverkaufen or die. Kummer & Co. haben sich entschieden, wahrhaftig zu bleiben und wir Ossis haben Tränen in den Augen. Nie wieder im zu vollen Bus zum Stausee Oberrabenstein fahren und den halben Pfeffi verkippen, nie wieder direkt in den „Freundebereich” mogeln und dort kaum rauskommen, sondern ständig glotzen, welcher Promi oder Ex-Freund da eventuell auftaucht, nie wieder interessante Nachwuchsbands am Nachmittag ansteuern, nie wieder Herzblatt mit dem alten Kummer, nie wieder geheimer Headliner und nie wieder Hoffnung auf Die Ärzte. Weiß gar nicht mehr, wo ich künftig meinen Geburtstag feiern soll. Am besten gar nicht mehr, heul. Bei Wiki steht schon „Das Kosmonaut Festival war ein deutsches Musikfestival”, boah, ich kann nicht mehr.

https://www.facebook.com/kraftklub/videos/193337665106385/

Am 8. August wird am Karl-Marx-Kopf Kosmonaut-Abschied gefeiert. Kommt alle! Und Chemnitz wäre nicht Chemnitz ohne Ironie all dem gegenüber, das mal wieder untergeht. Der hervorragende Blog Re:marx plant ein eigenes Festival mit einem für Chemnitz typischen Programm. Kommt bloß nicht!

https://www.instagram.com/p/B8uKRnEoGFQ/

Schnell weiter zum Hass

Während ich das hier tippe, kommt die Nachricht einer Freundin rein. Ein Typ hat ihr auf Instagram geschrieben, wie cool ein Foto von ihr sei und ob sie nicht „offensiver” für ihn „posen” möchte, gern „im Polit-Shirt”. Als Grußformel hat der, der im Profil vorgibt, links zu sein, #nosexism benutzt. Linke Typen, die ihr Linkssein als Pick-Up-Strategie nutzen und gar nix mehr raffen – viele Frauen in der Szene kennen es. Gerade erst mussten unzählige Frauen verdauen, womöglich auf den Festivals „Monis Rache” und „Fusion” auf der Toilette gefilmt worden zu sein. Den ersten Fall hatte Patrizia Schlosser für “Strg_F” recherchiert:

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Anfang des Monats kam das Statement vom Verein Kulturkosmos, der durch anonyme Mails erfahren hatte, dass auch Besucherinnen ihres Festivals betroffen sind. Nicht sicher in angeblich so emanzipatorischen Räumen sein zu können ist bitter, leider aber ebenso Normalität wie sonst überall. Auch Lady Bitch Ray weiß davon zu berichten:

https://twitter.com/LadyBitchRay1/status/1227967744462786561

Am vergangenen Freitag gingen deshalb etwa 2000 Menschen unter dem Motto „Rache am Patriarchat” auf die Straße. Auf dass wir irgendwann mal in Ruhe und Freiheit feiern und tanzen können, wie wär’s.

Auch beschissen:

Die Brit-Awards. Okay, das von der Insel gerade nicht viel zu erwarten ist, geschenkt. Nachdem bei den NME-Awards der „Hero of the Year” Slowthai die Moderatorin Katherine Ryan belabert und begrapscht hatte und von mehreren Sicherheitsleuten davon abgebracht werden musste, ins Publikum reinzuprügeln, dachte man, na ja, Brit-Awards werden dagegen das Feminismus-Paradies sein. Nun, da sprang einem die Misogynie nur nicht so voll ins Gesicht, sondern war eher im Veranstaltungsfazit zu finden: Awards bekamen Frauen nur in Frauenkategorien (Mabel als „Female Solo Artist” und Billie Eilish als „International Female Solo Artist”). In den Normale-Menschen-Kategorien („Best Group”, „Song of the Year”, „Mastercard Album Of The Year”, „Best New Artist”) waren gerade mal drei Frauen nominiert und gingen natürlich leer aus. Ja, leckt mich doch am Arsch.

BRIT Awards 2020: Hier alle Gewinner im Überblick

Jetzt wird’s aber lustig

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Mein Leben lang begleiten mich schon die Queen Bs. Erst Britney, dann Beyoncé, jetzt Billie. Aber keine hat so geschockt wie Billie. Männer in ihren Vierzigern, Fünfzigern und darüber hinaus ertragen es nicht. Immer noch nicht. Niemand hat sie gefragt, aber das ist doch keine Musik, der Bond-Song ist murks, wo sind die guten alten Zeiten, was sind das für Haare, wieso trägt sie mehr als Unterwäsche, wieso ist die in meinem „Rolling Stone“, hat die überhaupt Hitler gewählt? Deshalb muss man weitermachen, immer weitermachen. Man muss den Billie-Eilish-Hatern immer weiter unter die Nase reiben, wie sie sich irren und wie vorbei sie sind. Mit Billie werden wir sie endlich los, die alten Sackgesichter.

Random Entdeckung:

Jensausderwäsche – „Gammeln“

Ich glaube, was diese Person macht (unter anderem ist sie auch Teil der Band Baumarkt) und noch machen wird ist richtig geil. Album kommt am 1. April.

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Unsere neue Popkolumnistin Paula Irmschler lebt in Köln, Frankfurt, Leipzig, Chemnitz und der Bahn, ist Redakteurin und Autorin und mag Doppelkekse (die billigen). Ihr Roman „Superbusen“ erscheint am 28. Februar 2020 im Claassen-Verlag.

Das ist Paula

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