Platz 6 der 50 Platten des Jahres 2014: Alt-J – THIS IS ALL YOURS

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Alt-J – THIS IS ALL YOURS

Eines muss man der zum Trio geschrumpften Band aus Leeds lassen: Nach dem Mercury-Prize-prämierten und eine Million Mal verkauften Debüt AN AWESOME WAVE haben sie es sich mit ihrem vertrackten, kontemplativen Nachfolger nicht leicht gemacht. An Komplexität steht er dem Erstling in nichts nach – und ist doch ganz anders und voller neuer Popvisionen.

Ein geschmeidiges Anknüpfen an vorherige Chartsstürme? Dagegen scheinen sich die britischen Querköpfe zu sträuben – was sie ja aus der Indie-Perspektive schon mal grundsympathisch macht. Und vielleicht ist es diese Herangehensweise, die beim genauen Hinhören letztlich auch die Kritik erlahmen lässt, die Alt-J von vielen Seiten entgegenschlug: Nämlich, dass THIS IS ALL YOURS mit seinen Flöten-Interludes und sakralen Chorgesängen der verschwurbelte, verkünstelte Querschläger dreier überambitionierter Musterschüler sei. Man könnte natürlich meinen, hier beiße sich der Hund in den Schwanz (Geschmack bleibt ja streit- bar). Aber was für eine Vielfalt an Ideen dort zwischen Pianominiaturen, Flöten und Ambientklängen, dem gebetsmühlenartigen Falsett und geloopten Samplesfetzen steckt, das verdient seine eigene Popkategorie.

Die Briten entpuppen sich – vielmehr noch als beim ersten Album – als eindrucksvoll raffinierte Fährtenleger: Die kunstsinnigen Soundschichten überlagern, besänftigen und potenzieren sich gegenseitig. Mal klingt das groß und pathetisch wie in der Doom-umwehten Sinfonie „Hunger Of The Pine“ (die sich mit ihrem Miley-Cyrus- Sample dann wieder jeder klaren Einordnung entwindet) und mal nach diffuser, traumhafter Kammermusik wie in „Leaving Nara“. Eine wunderbar herausfordernde Hypnosesitzung in 13 Akten.

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