Alif Aynama-Rtama


Nawa/Cargo VÖ: 18. September 2015

Abseits der im westlichen Kulturkreis doch äußerst beschränkten Wahrnehmung der aktuellen Musikproduktionen in den Staaten des Arabischen Frühlings hat sich dort längst eine moderne Szene etabliert, die aber leider kaum mal die Möglichkeit bekommt, ihre Aufnahmen auch bei uns zu veröffentlichen. Umso wichtiger sind Independent-Labels wie das in London beheimatete Nawa Recordings, die es durch ihre Arbeit überhaupt erst ermöglichen, Notiz von einer Band wie Alif zu nehmen, die sich selbstbewusst nach dem ersten Buchstaben des arabischen Alphabets benannte und ganz bestimmt nicht mit der britischen Gaudi-Indie-Band A („I Love Lake Tahoe“) zu vergleichen ist.

Das Debüt­album des aus Khyam Allami (Oud), Tamer Abu Ghazaleh (Gesang, Buzuq), Bashar Farran (Bass), Maurice Louca (Keybords, Elec­tronics) und Khaled Yassine (Schlagzeug, Perkussion) bestehenden Quintetts überrascht durch eine enorme stilistische Bandbreite und einen ausgesprochen transparenten Sound, für den nicht zuletzt Ali Chant (John Parish, Gruff Rhys, Yann Tiersen, PJ Harvey) verantwortlich zeichnet, der den Aufnahmen in den Toy-box Studios in Bristol den letzten Schliff verpasste. Alif überzeugen in Songs wie „Al-Khutba Al-Akhira“ und „Al-Juththa“ durch ihre vielschichtigen, oft komplex verschachtelten, sich aus den unterschiedlichsten Quellen des Nahen und Mittleren Ostens speisenden Rhythmen und durch ihre perfekt aufeinander abgestimmten Gesangsharmonien.

Textlich greift die Gruppe gleich zweimal, bei den Stücken „Holako“ und „Dars Min Kama Sutra“, auf literarische Vorbilder zurück, nämlich auf den 2007 verstorbenen irakischen Poeten Sargon Boulus, und den Schriftsteller Mahmoud Darwish aus Palästina. Der beeindruckendste Song des Albums ist „Eish Jabkum Hon?“, komponiert von Tamer Abu Ghazaleh: eine sich langsam steigernde Midtempo-Nummer, bei der Alif noch einmal all ihr rhythmisches Können in die Waagschale werfen.


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