Blondie – Eat To The Beat – Collector’s Edition

Richtige Meilensteine hatten Blondie nur zwei im Repertoire: Ihr 1976er Debüt und Parallel Lines, mit dem zwei Jahre später der Durchbruch gelang. Aber eben nicht Eat To The Beat von 1979, das zwar Hits wie, „Dreaming“, „Union City Blue“ oder „Atomic“ enthielt, aber im Vergleich zum Vorgänger doch merklich abfiel. Einfach, weil die dürren Herren und ihre aufreizende Front-Blondine das Erfolgsrezept von „Heart Of Glass“ schlichtweg kopierten und noch mehr Studio-54taugliche Mixturen aus Disco und Rock servierten. Gleichzeitig enthält Album Nummer 4 aber auch zahlreiche Totalausfälle wie den gruseligen Karibik-Reggae „Die Young Stay Pretty“, den Plastik-Soul „Slow Motion“ oder die unerträgliche Ballade „Sound-A-Sleep“. All das gibt es auf dieser Neuauflage in Ton und Bild. Mit zwölf Promo-Filmchen, die ganz klar aus der Zeit vor MTV und des aufwändig produzierten Video-Clips stammen. Mehr No- als Low-Budget, mit einfachsten Ideen und Mitteln gedreht an den (fast) immer gleichen Locations. Wirklich spannend ist da nur eins: Was trägt Debbie Harry und wie viel Haut zeigt sie? Denn ganz gleich, wie langweilig Set-up und Handlung sind, die Wasserstoffsuperoxid-Blondine macht immer eine tolle Figur. Sei es als Disco-Queen im türkisen Designer-Fetzen, als verruchter Vamp im knappen Leder-Outfit, im transparenten Seidenkleid oder

im Mini mit schwarzen Lackstiefeln-diese Frau ist einfach erotisch. Dabei langt auch sie daneben: Das Aerobic-Dress mit Oma-Maske („Die Young Stay Pretty“) ist ein Fall für die Geschmackspolizei. Genau wie das billige Horror-Szenario von „Victor“ (Debbie in Mönchskutte), die detonierenden Atompilze in „Atomic“ (Debbie im Müllsack) oder das orange Leder-Kostüm inmitten der hässlichen Docks von New Jersey („Union City Blue“). Am besten sind immer noch die vermeintlichen Live-Performances in irgendwelchen Lagerhallen – mal mit Publikum, mal ohne, mit unbeholfenem Vollplayback oder mit rotziger Punk-Attitüde („Living In The Real World“) und einem super-energetischen Clem Burke, der sich die Seele aus dem Leib trommelt. Insgesamt nette Nostalgie, die so naiv und unbekümmert klingt, dass sie immer noch Spaß macht. Und das ist schließlich das Wichtigste.

www.blondie.net