Crimer Fake Nails


Muve On! (VÖ: 15.10,)

von

Schon auffällig, dass Crimer in seinem Heimatland, der Schweiz, mit seinem Debüt LEAVE ME BABY (2018) auf Platz 2 der Albumcharts kletterte – während er in Deutschland noch so gut wie unbekannt ist. Dabei schreckt Crimer vor nix zurück, um das zu ändern: Beim letzten Berlin-Konzert hat er im liebenswert versifften Indie-Keller Urban Spree auf Spotify nachgeguckt, was die Menschen in Berlin am liebsten hören. Seinerzeit war das ein Song von Justin Timberlake. Also hat er den spontan gecovert. Das Publikum ist freilich ausgerastet – wie es das meistens tut, wenn Crimer zwischen Kopfstimme und Basstonlagen changiert, wie nur er es kann.

Man spürt eine aufrichtige Liebe für die 80s

Aber mit *NSYNC und überhaupt Boybands ist man bei Crimer schon auf der richtigen Fährte: Denn Crimer, Jahrgang 1989, klingt wie einer, der 80s-Dark-Wave à la OMD, New Order oder Depeche Mode neu bewertet und verwertet, aber mit dem Blick der Generation Backstreet Boys. Immerhin trug Crimer, der mal im Kirchenchor sang und der sich einst Batman nannte (bis DC Comics mit Rechtsstreit drohten) jahrelang Nick-Carter-Gedächtnis-Mittelscheitel.

Allzu dark wird es in Crimers funkelndem Synthie-Klangbad also nicht. Aber dass er die New Wave hier ironisch durch den Kakao ziehen würde, kann man nun echt nicht behaupten. Nein, man spürt eine aufrichtige Liebe für die 80s. Wenn man sich darauf einlässt, kann das wirklich viel Freude machen, dieses Emo-Gejammer. Anders als Generation TikTok hatte Generation Backstreet Boys halt auch echt noch Bock auf große, kriminell geile Melodien.


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