Cymbals Eat Guitars Pretty Years


Sinderlyn/Cargo

Auf Spotify haben Cymbals Eat Guitars eine Playlist namens „Pretty.Years.Moods.exe“ hochgeladen. Diese dient als musikalisches Moodboard, zu den Aufnahmen ihres vierten Albums. Darunter finden sich neben etwas symbolisch anmutenden Songs von Kendrick Lamar und Rihanna auch Stücke, die eine konkretere Entsprechung auf PRETTY YEARS gefunden haben. No-Wave-Pionier James Chance zum Beispiel, dessen aggressiv-atonales Saxofonspiel auf dem Vorabsong „Wish“ zitiert wird, oder Bruce Springsteens „4th Of July, Asbury Park (Sandy)“, dessen Titel CEG für ihre Zwecke geringfügig umändern: „4th Of July, Philadelphia (SANDY)“ erzählt die Geschichte eines Nationalfeiertags, den Sänger Joseph D’Agostino in Philadelphia verbrachte. Sein Freund ist betrunken am Steuer, wird von einem wütenden Familienvater fast krankenhausreif geprügelt, und D’Agostino wird vom Adrenalinschub kurzzeitig aus seiner tiefen Depression gerissen. „Swore I’d be present and grateful for every second“, nimmt er sich vor, aber es kommt, wie es meis­tens kommt: „Later the feeling faded, I couldn’t help it“.

Es ist einer von vielen emotional vernichtenden Momenten auf einer Platte, die in ihrer Wucht und wohltuenden Qualität an das Heartland-Rock-Meisterwerk von The War On Drugs, LOST IN THE DREAM (2014), erinnert. D’Agostino und seine Bandkollegen liefern den Soundtrack zu Meilensteinen des wunderlichen Erwachsenwerdens und des schmerzlichen Erwachsenseins: LSD-Trips (auf dem knarzig-krautigen „Close“), das Ende der Jugend („Dancing Days“), und verstorbene Freunde („We laugh and drink and eat, but we’re all just wishing you were here“ in „Shrine“). Cymbals Eat Guitars haben sich von frühen Radio­head- und Pavement-Verehrern zu einer der besten und eloquentesten amerikanischen Rockbands entwickelt – wenn sie auf „Mallwalking“ das Gitarrensolo aus „Come As You Are“ zitieren, klingt das nicht anmaßend oder augenzwinkernd, sondern nach der Vervollständigung einer Abstammungslinie.

Kooperation

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