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De La Soul And The Anonymous Nobody


AOI/Rough Trade

Es kommt immer mal wieder vor, dass es Tracks von De La Soul ins Radio schaffen. Die Hits von 3 FEET HIGH AND RISING zumeist, vielleicht sogar ein Song vom unterschätzten Meisterwerk DE LA SOUL IS DEAD. Oder „Oooh“, dieser unfassbare Ohrwurm aus dem Jahr 2000. Mein Gott, De La Soul haben so viele gute Sachen gemacht. Und dann gingen sie uns im Lauf des neuen Jahrtausends einfach verloren. THE GRIND DATE erschien 2004, danach ließen sich die Herren Posdnuos, Dave und Maseo herumreichen: zu den Gorillaz zum Beispiel oder in die Chefetage des Nike-Konzerns, für den De La Soul ein Mixtape zusammenstellten.

Was sind wir noch wert? fragte sich das Trio vor gut einem Jahr – und startete eine Kickstarter-Kampagne. 110 000 Dollar wollte man für ein neues Album sammeln – keine zehn Stunden später hatte man die Kohle zusammen. Die Platte war zu diesem Zeitpunkt schon so gut wie fertig. Es war ein langwieriges Projekt, fast so zäh wie bei den Avalanches. Der Grund ist die imposante und vor allem kunterbunte Gästeliste: Snoop Dogg und Usher sind dabei, David Byrne und Damon Albarn, Estelle und Jill Scott. Und: Justin Hawkins von The Darkness, dessen kunstvoller Schnauzbart mittlerweile ein eigenes Facebook-Profil besitzt.

Hawkins heult auf „Lord Intendend“, einem sieben Minuten langen Crossoverding zwischen JUDGEMENT NIGHT und Scorpions. Ein unerträgliches Stück. Dass direkt danach David Byrne seinen Auftritt hat, beweist, dass De La Soul zwar Humor, aber keine Angst vor Fallhöhen haben. Byrnes Vortrag auf „Snoopies“ erinnert an Bowie, der HipHop-Part wirkt ein bisschen reingequetscht. Da wirkt Ushers Auftritt in „Greyhounds“ deutlich eleganter. Sowieso: De La Soul sind lus­tige Gesellen, doch die Melancholie ist ihre eigentliche Stärke. Damon Albarns natürliche Traurigkeit wirkt beim von Afrobeat und Indie-Rock beeinflussten „Here In After“ richtig am Platz. Albarn hat dem Trio zudem Gorillaz-Partnerin Yukimi Nagano von Little Dragon vermittelt, die aus „Drawn“ einen jenseitig-fernöstlichen Trip macht.

Kooperation

De La Soul übernehmen erst ganz am Ende, um das Stück zielsicher zurück nach New York zu führen. Bange Fans fragen an dieser Stelle: Gibt’s denn auch De La Soul pur? Yep, check out „Royalty Capes“, „Trainwreck“ oder „Nosed Up“ – HipHop, der immer auch Pop ist, mit unfassbaren Hooklines.


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