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Die Krupps Stahlwerkrequiem


Bureau B/Indigo

Der Vater unter Tage, oben rauchende Schlote und Kohlehalden. Jürgen Engler, Mitbegründer von Die Krupps, wuchs in einem Ruhrgebiet auf, das so nicht mehr existiert, ihn aber immer noch an die düstere Romantik der Kindheit erinnert. Es kommt also nicht von ungefähr, dass die EBM-Metall-Industrial-Gruppe ihrem von Lou Reeds METAL MACHINE MUSIC beeinflussten Debüt 1981 den Titel STAHLWERKSINFONIE gaben. Nun schließt die in Düsseldorf gegründete Gruppe dieses Kapitel mit dem Album STAHLWERKREQUIEM ab, und das wie eine Messe für einen Verstorbenen verstanden werden kann.

Es ist ein grimmiges Werk, halb Neuveröffentlichung, halb Reissue, eingespielt mit komplett neuer Mannschaft. Die Basis legte Englers in seiner Wahlheimat Austin/Texas in zwei Sessions, die den Untertitel „Rheinhausen“ sowie „Westfalenhütte“ tragen, benannt nach geschichtsträchtigen Standorten der Schwerindustrie. Den stoisch (g)rollenden Bass spielt Scott Telles (My Education, ST-37), der über fast 40 Minuten als einziger für so etwas wie Rhythmus sorgt, während Krautrock-Legende Mani Neumeier sein Schlagzeug verdrischt und die Gitarre nie den Weg von der Atonalität in Tonalität findet.

Die Bänder gingen dann nach Deutschland, wo Jean-Hervé Peron und Werner „Zappi“ Diermaier (beide Faust) Spuren mit viel Lärm drüber legten und Kurt „Pyrolator“ Dahlke Keyboard-Sounds beisteuerte. Wäre Dieter Moebius (Cluster) am Leben, Engler hätte seinen Freund mit eingebunden. Aber auch so bleibt das STAHLWERKREQUIEM ein schwer verdaulicher, dunkler, lärmender und grob behauener Klangbrocken, der sich unüberhörbar am Debüt von Die Krupps orientiert und doch deutliche Unterschiede aufweist. Es fehlt nämlich dieses für die 80er so typische, bisweilen unerträgliche Saxophon, das sich auf der STAHLWERKSINFONIE noch kreischend und free-jazzig in die Ohren fräst. Im Nachhinein findet Jürgen Engler das schade, er hatte es einfach nicht mit eingeplant, dabei befand er sich als Produzent mit Nik Turner von Hawkwind im Studio. Das Saxophon lag also parat, aber mal ganz ehrlich: Es wäre dem Guten wohl zu viel gewesen.

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