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Diverse Day Of The Dead


4AD/Beggars/Indigo

von

Eine Compilation mit Lehrauftrag: Die neue Generation soll Grateful Dead wiederentdecken. Nicht den Hippie-Kult um diese vielleicht amerikanischste aller Americana-Bands. Sondern die Songs. Zwei Alben von Grateful Dead gelten in dieser Hinsicht als besonders ergiebig, WORKINGMAN’S DEAD und AMERICAN BEAUTY, Platten, die Amerika sezierten, in präzisen, von Country, Blues und Folk beeinflussten Songs.

Ein Großteil der Songs dieser beiden Alben war für das Cover-Projekt der The-National-Zwillinge Aaron und Bryce Dessner gesetzt. Die Version des Klassikers „Box Of Rain“ von Kurt Vile und J. Mascis arbeitet die Klasse des Originals heraus, der bereits von tausend anderen Bands gecoverte Trademarktrack „Truckin’“ wird von den Noise-Avantgardisten Marijuana Deathsquads demontiert – echte Deadheads werden davon weniger begeistert sein.

Was beim durchaus anstrengenden Durcharbeiten der 59 Songs auf fünf CDs auffällt, ist die Klasse einiger der späten Songs aus einer Zeit, als man dachte, Grateful Dead seien längst am Ende ihrer Erzählung angekommen. „Touch Of Grey“ vom 1987er-Album IN THE DARK zum Beispiel erinnert schon im Original so sehr an Springsteen-infizierten Poprock, dass es gar keine andere Wahl gab, als dieses Stück von The War On Drugs nachspielen zu lassen. Sehr nah am Original. Und sehr nah an allem, was The War On Drugs so gut macht.

Ein weiteres Schmuckstück aus dieser Phase ist „Black Muddy River“, ein echtes Americana-Sehnsuchtstück. Nachgespielt wird es von Bruce Hornsby, einige Jahre lang selbst Mitglied in der Grateful-Dead-Clique. Unterstützt wird er dabei von DeYarmond Edison, der für dieses Stück exklusiv wiedervereinigten alten Band von Justin Vernon und den Cook-Brüdern, die jetzt Megafaun vorstehen.

The National selbst nahmen sich mit „Peggy-O“ und „Morning Dew“ zwei folkige Songs vor, die 16-Minuten-Interpretation des Wahnsinnstracks „Terrapin Station“ mithilfe von Grizzly Bear ist Größenwahn. Leichte Entwarnung für alle, die DAY OF THE DEAD für eine Sache für weiße Männer zwischen 40 und 50 halten: Jenny Lewis, Lucinda Williams, Courtney Barnett, Anohni und Angel Olsen retten zumindest einigermaßen die Frauenquote, die Afro-Dead-Versionen von Tal National und dem Orchestra Baobab bringen Schwung in die Kiste.


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