Final Fantasy – Has A Good Home

Obacht, eine Live-Sensation: Owen Pallett! Der Hinweis hat noch gefehlt auf den Tour-Plakaten von Arcade Fire im Mai. Pallett spielte im Vorprogramm der New Wunderkinder Of Rock, ohne gefällig an den Soundkosmos jener Band anzudocken, der er seit einiger Zeit serienmäßig den Violinen-Antrieb verpaßt. Seinen Set bestritt Pallett zu dritt unter dem „Bandnamen“ Final Fantasy: Der Musiker, die Violine und die Violinen-Samples. die er per Fußpedal einspeiste. Seit Pallett die Streicher-Parts auf dem Arcade-Fire-Meisterwerk funeral arrangierte, ist ihm die verdiente Aufmerksamkeit gewiß, auf seinem Soloalbum zeigt er nun, daß er es auch eine Nummer kleiner, und man ist geneigt zu sagen, feinerals im Bandrahmen kann. Pallett schenkt diesen 15 Songs eine Vielzahl von Melodien, die einander kreuzen, Pop und Klassik ansteuern, sich an einer einsamen Kreuzung treffen und Platz machen für einen dramatischen Kurz-Auftritt des Sängers: Voila, Monsieur Pallett. Mit so einer Violine geht allerhand, bei ihm wird sie pizzicato gespielt, gestrichen, geschrubbt, mal als Country-Fiddle im grandiosen „Please Please Please“ eingesetzt, mal als Background-Noise. Und sind diese Bläser hier vielleicht auch verfremdete, redesignte Violinen? Dem Geheimnis dieses kanadischen Hansdampf kommen wir auch in den unmißverständlichen Songtiteln kaum auf die Spur: „That’s When The Audience Died“ und „Learn To Keep Your Mouth Shut Owen Pallett“. Dem ist sowieso nicht beizupflichten, Pallett umgarnt seine wilde kleine Kammermusik mit der Stimme eines sentimentalen jungen Mannes, der in seinen Liedern fortwährend nach Schönheit und Abenteuer Ausschau hält. Has A Good Home entstand in Zusammenarbeit mit dem Blocks Recording Club, und was das ist, weiß ich auch nach Besuch der Homepage blocksblocksblocks.com noch nicht so genau. Man weiß jetzt nur eins: Auch das größte Ein-Marin-Orchester dieser Tage kommt aus Kanada.

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