Frank Carter & The Rattlesnakes Blossom


International Death Cult/Kobalt/Rough Trade VÖ: 28.08.2015

von

Frank Carter wird widersprüchlich. Gut, hat er als Punk auch zu sein. Dann lieber so: Frank Carter wird vorhersehbar. Gut, durften die Ramones auch sein. Vielleicht so: Frank Carter passt sich an. Und DAS, das darf kein Punk. Blicken wir zurück – im Zorn, wie schließlich sonst?

Frank Carter gründete vor zehn Jahren die brillant-brutalen Hardcore-Punks Gallows. Nach ihrem umjubelten Debüt ORCHESTRA OF WOLVES wurde die wahnsinnige Band vom noch wahnsinnigeren Major Warner für eine Million Pfund unter Vertrag genommen. Der „NME“ bestimmte Carter zur coolsten Sau des Jahres 2007. In diesem Jahr ließ Carter sich während eines Auftritts beim Reading-Festival auf der Bühne tätowieren.

Das 2009 erschienene GREY BRITAIN wählte das Fachblatt „Kerrang!“ zum besten Album des Jahres. Im Juli 2011 stieg Carter dann aus, angeblich weil man sich über die musikalische Zukunft der Band uneins war. Während Gallows dann relativ unverändert mit Ersatzmann Wade MacNeil weiterpunkrockten, gründete Carter Pure Love, deren banales Pubrockalbum ANTHEMS von den ehedem schützenden Händen des „NME“ 2013 mit einem von zehn Bewertungspunkten abgewatscht wurde. „I’m so sick of singing about hate. It’s never going to make me change“, sang Carter damals in der Leadsingle „Bury My Bones“.

2015 gilt das nicht mehr: „I Hate You“ heißt der letzte Song auf seinem ersten Album mit neuer Band. Rattle­snakes heißt die und das ist hier nicht das einzige Klischee, siehe Frakturschrift, siehe das brennende Live-Equipment auf dem Cover von BLOSSOM. Carter brüllt sich mit verzerrter Stimme durch zehn formel- und nicht fabelhafte Prügler, von denen keiner hängen bleiben will. „I wish you would die, it makes me violently angry when I see you alive.“ Boah. Wie man ein „irresponsible hate anthem“ mit Klasse schreibt, weiß Marilyn Manson. Carter weiß das nicht.


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