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Album der Woche

I Break Horses Warnings


Bella Union/PIAS/Rough Trade (VÖ: 8.5.)

Man möchte nicht der Ex von Maria Lindén sein. Oder, literaturwissenschaftlich sauber formuliert: Man möchte nicht der Ex vom lyrischen Ich auf WARNINGS sein, denn dieser Ex oder jedenfalls Future-Ex wird im nur scheinbar träumerisch einlullenden Gesang von Maria Lindén auf mannigfaltige Weise gedemütigt, wie sich wohl nur einst Liebende hassen können. Die Vorwürfe gegenüber dem Ex reichen von Pseudo-Zuneigung, „so called affection“, zur sich gar prächtig darauf reimenden „semi erection“, dem Schlappschwanz. Ist das schon Schwanz-Shaming oder noch legitime Beziehungsresümee-Metapher?

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Dream Pop ist jedenfalls, wenn die Pforten zur Psyche erst mal aufgestoßen sind, das beste Genre, um sich auch zu den albtraumartigen Gemütslagen runterzugraben. Das ist wahr, auch wenn Bill Callahan, der brummelnde Barde, nach dessen gleichnamigem Song sich die Band benannt hatte, meinte, die dunkle Seite der Seele interessiere ihn in diesem Lied einen feuchten Dreck.


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Eigentlich seltsam, dass I Break Horses, das schwedische Duo, nicht viel öfter noch mit ihrem Pendant aus US-Maryland, dem Shoegaze-Duo namens Beach House verglichen wird, wenn denen auch ein wesentlich größerer Publikumserfolg zuteil wurde. Nicht nur dass beide beim selben Label, Bella Union, sind, und sich beide Mitte der Nullerjahre (die Zeit der schrumpfenden Gitarren) gegründet haben und dass sie dieselben Initialen haben und beide eine Keyboard-spielende Sängerin sowie einen hintergründig Gitarren beisteuernden Duo-Partner: Nein, wo Beach House von der „Depression Cherry“ singen, geht es I Break Horses diesmal im finalen Track um den oder wohl eher noch die „Depression Tourist“, also abermals das lyrische Ich, das nur Gast in der Depression des Gegenübers ist.


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Ja, man merkt es schon, um gute Laune geht’s hier nicht auf diesem dritten Studioalbum zwischen all den Kickdrumschlägen, den Vocoder-Chorälen und den Grabes-Orgeln und den Ambient-Instrumental-Schwarzwäldern, aber Lindéns Gesang schwingt sich mit den treuen Synthie-Funkelsternchen trotzdem zu unverhofften Höhen auf, wie sie nur die schmerzende Seele kennt, zu deren Rettung der Leib Rettungsendorphine ausschickte. Manchmal geht es eben nicht mehr ohne sie, die fix gefakte Euphorie.

WARNINGS im Stream hören:


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