Album Der Woche

Meilyr Jones 2013


Moshi Moshi/[PIAS] Coop/Rough Trade

Wer Meilyr Jones nicht kennt, wird den Mann im Video sofort für einen Popstar halten. Wie er sich von einem Conférencier ankündigen lässt, das zeugt von unerschrockener Größe (und einer Portion Humor). Das Video zum ersten Song auf dem Solodebüt des Sängers (der ehemalige Frontmann der guten Race Horses, zeitweilig Mitstreiter von Gruff Rhys und Euros Childs) rückt die kultische Verehrung und die Obsessionen, die mit Künstlern und ihrer Kunst verbunden sind, ins Bild.

Der Song heißt „How To Recognise A Work Of Art“, er ist nicht weniger als ein Pop-Hit mit seinem hymnischen Bläser-Intro, den heftig antreibenden Beats und der emotional durch den Klangglamour schießenden Stimme. Jones, in Aberystwyth an der walisischen Küste geboren, schwingt sich auf diesem Album gleich zu einem Supercrooner von Welt auf, wie ein junger Scott Walker stapft er durch die Bassklarinetten-Hügel von „Passionate Friend“, ein Klassik-Feingeist, der jeden Moment dazu bereit ist, mit dem Pop Hand in Hand zu gehen.

Fast jeder Song lebt in einer individuell gestalteten Klanglandschaft, und fast jeder handelt auf eine Art von Jones’ Rom-Besuch im Jahr 2013, von der Wiederentdeckung seiner Selbst durch das Studium der Kunstwerke von Byron, Berlioz und Keats. Es gibt Sequenzen auf diesem Album, in denen Jones uns quasi-dokumentarisch an Field Recordings teilhaben lässt („Rain In Rome“), nur um im nächsten Moment mit einem bittersüßen Song im Bowie-Stil der Prä-Ziggy-Phase vor der Realität wegzulaufen („Strange Emotional“). Im Jubel, das weiß der Jubelmusiker Jones, steckt auch schon wieder ein ers­ter Schritt in die Trauer. Dieses Album erzählt davon auf wunderbare Art. 2013 muss 2016 erst noch ernsthafte Herausforderer finden.

Kooperation

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