Miley Cyrus Miley Cyrus & Her Dead Petz


Smiley Miley Inc. VÖ: 30.08.2015

von

Was ist denn die Alternative zu den Ärschen, die seit Jahren auf den Bühnen kreisen, als müssten kreisende Ärsche dafür sorgen, dass sich die Erde weiter dreht? Mal Wayne Coyne fragen. Der lässt sich seit einigen Jahren in einem durchsichtigen Ball durch die Menge tragen, während auf der Bühne demolierte Maskottchen eine Party feiern. Das große Pop-Theater der Flaming Lips ist das beste Gegengift zur übersexualisierten Dumpfheit der herkömmlichen Shows. Und wie erotisch dieser grauhaarige Hohepriester doch ist, wenn er am Ende der Show zu Seifenblasen und Pyrotechnik fragt: „Do You Realize??“

Miley Cyrus verfiel Wayne Coyne, als sie für die wirre SGT. PEPPER’S-Hommage der Flaming Lips „Lucy In The Sky With Diamonds“ interpretierte. Gemeinsam wurden die beiden dann psychedelisch. Coyne kann das gut: Zeugs einschmeißen, viel reden, dann ins Weltall schauen und sich überlegen, welche Art von Musik dort oben wohl erfolgreich sein könnte. Sicher nichts von Pitbull und Nicki Minaj! Seit Mai gibt es Gerüchte über ein gemeinsames Album, zunächst war von einer Mini-LP war die Rede.

Jetzt hat MILEY CYRUS & HER DEAD PETZ ganze 23 Tracks und steht frei im Netz, nachdem Sängerin und Band bei den MTV Video Music Awards zusammen mit 30 Drag-Queens die Single „Dooo It!“ aufführten. Ja Gott, die Message: Pot rauchen, Peace mögen… geschenkt. Aber der Song: super! Erst das Bouncen, dann der kosmische Refrain, die übersteuerte Flaming-Lips-Gedächtnis-Tröte, das scheppernde Schlagzeug am Ende, wie damals bei „Race For The Prize“ – Miley im Wunderland, Wayne als verrückter Hutmacher.

Und so perfekt geht das Album auch weiter: „Karen Don’t Be Sad“ hat die Klasse der besten Flaming-Lips-Balladen, von Miley Cyrus zum Niederknien gesungen. Es folgt ein weiser und bewegender Abschied von ihrem verstorbenem Hund Floyd: „Death, take me with you, I don’t wanna live without my flower.“ Mileys Stimme klingt da schon aus dem Jenseits, die Flaming Lips spenden Trost, spielen dicht am Ohr. Dann zieht auch die Band ins All, „Something About Space Dude“ ist Dreampop für Schlaflose, denn Miley weiß: „Sleeping is optimistic.“

So sensationell gut bleibt es zwar nicht, zu lang ist das Album trotzdem nicht, denn immer wieder begegnet man transzendenter Schönheit. Bei den „Tiger Dreams“, wenn Ariel Pink mitsingt. Oder beim 80s-Tränenzieher „Lighter“, den sie mit BANGERZ-Produzent Mike Will Made It aufgenommen hat. Und noch eine Top-Nachricht: „Pablow The Blowfish“ ist auch drauf, ein weiteres Tiertrauerlied, das sie vor einiger Zeit schon einmal im Einhornkostüm vorgestellt hatte. Es ist lustig, rührend und weise: „How can I love someone I never touched?“ Schämt euch eurer Tränen nicht!


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