Munk Chanson 3000


Gomma/Groove Attack

Die Popkultur ist ein belgischer Kreisel. Dieses perfekte Modell aus dem Radsport beschreibt, wie sich die Fahrer bei der Führungsarbeit im Wind abzuwechseln haben, damit das Tempo der Gruppe hoch bleibt. Ähnlich geht es auch im Pop zu, und keiner weiß heute mehr: Ist das vorne oder hinten? Lässt sich da wer freiwillig zurückfallen, oder arbeitet er sich langsam nach vorne? Mathias Modica, der Mann hinter Munk und dem starken Label Gomma, galt 2008 mit seinem CLOUDBUSTER-Album als clubbig-europäische Antwort auf James Murphys LCD Soundsystem. Teil von Munks Attitüde war es, Tanzmusik weniger gelackt zu produzieren. Wir waren begeistert. Nun kommt Munk wieder um die Ecke und hat einen „Happiness Juice“ dabei, so der Name der Leadsingle von CHANSON 3000. Schillernder House ist das, mit Versen über den Mond und den Himmel, das Glück und die Gefühle, magische Küsse und Engel. Hinten heraus gibt es seifige Keyboards sowie ein paar kosmische Effekte. So geht Dance-Pop heute. So ging er aber auch schon gestern. Und morgen wohl auch. Dem Melodiemagier Burt Bacharach wollte er nacheifern, sagt Modica. Ein bisschen vermessen ist das schon, denn zwar gibt es hier und da ungewöhnliche Harmoniebögen, doch die lassen eher an Trevor Horns Visionen für Grace Jones denken als an komplexe Pop-Partituren für Orchester. Ein Extralob noch für die Keyboardlinien auf „Transient Lover“, die sich so quer durch den Klangraum ziehen, dass die Stimme der Sängerin schon sehr aufpassen muss, sich nicht darin zu verheddern. Solche Hindernisparcours sind klasse. CHANSON 3000 hätte ein paar mehr davon vertragen können.


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