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NNAMDÏ Brat


Sooper Records/Cargo (VÖ: 3.4.)

Vegetarier*innen können aufatmen: Auf seinem zweiten Studioalbum BRAT geht es NNAMDÏ nicht um die Bratwurst, sondern „brat“ meint im Amerikanischen: Quälgeist, Rotzbengel. Als solchen inszeniert sich NNAMDÏ auch schon auf dem Cover, mit rosa Luftballon, Prinzessinnenkrone, Glanzgewand – und einem Gesichtsausdruck kurz vor der Heul-Attacke. Da kann der Kindergeburtstag ja losgehen!

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Klanglich könnte NNAMDÏ das uneheliche Kind von Frank Ocean und Kele Okereke (Bloc Party) sein: hyper-ambitionierter und diese Ambitionen auch einlösender R’n’B trifft Indie-Rock-Hymne, durchaus mit dominanten Melodiegitarren. Vor allem, Kindergeburtstagsscherz beiseite, geht es auf diesem Album aber ernsthaft darum, sich verwundbar zu zeigen: „There’s no need to pretend / You’re ok if you’re not.“ Dafür hatte sich ja kürzlich auch schon die New Yorker Indie-Rockerin Okay Kaya auf ihrem Album starkgemacht.

Wichtige Sache, zumal auf Social Media immer mehr eine psychische Schokoladenseite ausgestellt wird. In dem Kontext irritiert es leicht, wenn NNAMDÏ soulig singt, er jage nach Geld, Frauen, Pussys, brauche doch aber (auch) Ärsche: „I need Ass“, heißt es in „Everyone I Loved“. Ein Plädoyer für Analsex? Oder parodiert NNAMDÏ hier HipHop-Lyrics? Insgesamt überwiegt aber das Gefühl, dass NNAMDÏ sich nach ehrlichem Gespräch sehnt, ohne (Vor-)Urteil: „judgement free“, wie es bei ihm heißt.

In „Wasted“ werden die Ohren aufgestellt wie beim knuffigsten und tragischsten aller Disney-Helden: dem gemobbten, autistischen Außenseiter-Elefanten Dumbo, der am Ende fliegen kann. NNAMDÏ schafft aber auch Platz für Späßchen, etwa wenn die Hookline in „Gimme Gimme“ gefährlich nah den einstigen Trash- und inzwischen Kult-Rap „Welcome To Miami“ von Will Smith durch den Kakao zieht. Das alles klingt, ein Glück, nicht bloß gut gemeint, sondern wirklich verdammt gut.


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