Parquet Courts Human Performance


Beggars/Rough Trade

von

Endlich ist er da, der Song zur elendigsten aller Sisyphusarbeiten. Da wischt man an einem freien Samstagmorgen mit größter Akribie Staub, nur um festzustellen, dass die Plattenhülle von David Bowies BLACKSTAR am Abend schon wieder von kleinen Körnern bedeckt ist. Gar nicht zu reden von der Staubmaus, dem geheimnisvollen Ungeziefer der urbanen Wohnung, die ohne jede Vorwarnung morgens immer in den gleichen Ecken auftaucht und selbst dem modernsten Vorwerk-Staubsauger frech grinsend in die industrielle Fresse sagt: „Ich komme wieder, Baby!“ Jetzt gibt es immerhin einen Song, um gegen den Staub anzusingen: „It comes through the window, it comes through the floor. It comes through the roof and it comes through the door.“

Ja, Staub, da staunst du: Mit dem nonchalanten Indie-Rock der neuen Parquet-Courts-Single hattest du nicht gerechnet! Die Musik dazu ist so trocken wie das Innenleben eines Staubsaugerbeutels, der Song ist halb Modern Lovers, halb Suicide – und ein perfekter Auftakt für die neue Platte der New Yorker. Die Band ist nun wieder komplett, weshalb sie wieder unter Parquet Courts läuft. Als sich Bassist und Drummer um die Familie und die Uni kümmerten, nannten sich Andrew Savage und Austin Brown für das Album CONTENT NAUSEA kurzerhand Parkay Quarts.

Auch diese Platte war toll, aber man merkt schon, dass HUMAN PERFORMANCE nun wieder ein Hauptwerk ist. Das Titelstück hat in der Strophe einen tollen Groove und einen psychedelischen Refrain, zu dem man sich obendrauf gut betrinken kann. „Berlin Got Blurry“ ist ein weiterer Höhepunkt: 70s-Groove, Morricone-Gitarre und Lyrics über das Verschwinden einer Liebe in der verschwommenen Hauptstadt – schon wieder ein tolles neues Berlin-Lied! Wem das alles schon wieder zu eingängig ist: „Paraphrased“ klingt wie Wire mit Jello Biafra als Sänger, „2 Dead Cops“ wie die Wipers. Laut aufdrehen, damit die Musik den Staub rauspustet – funktioniert besser als jeder Vorwerk-Motor.


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