Paul Simon Stranger To Stranger


Concord/Universal

von

Oh yeah, diese Lässigkeit! Und so aktuell wie TMZ.com ist Paul Simon auch. „The Werewolf“, das erste Stück der neuen Platte, ist direkt mal ein Song über das Superstar­sterben. Die meisten Nachrufe seien doch eher gemischte Rückblicke, singt er. Als wäre es nötig, ein Leben zu rezensieren. Am Ende heulen die Wölfe, der kurze Song hat bis dahin eine ungeahnte Kurvenfahrt hinter sich. Afro-beat, Four-on-the-floor-Electronica, Blues: ein ähnlicher transzendenter Popkosmos wie bei Animal Collective – und das ist für ein Album von Paul Simon doch ein ungewöhnlicher Vergleich.

Das folgende „Wristband“ bezieht sich auf Paul McCartneys erfolglosen Versuch, die Tür einer Grammy-Aftershowparty zu passieren. Nichts geht mehr ohne Band am Handgelenk, das ist die Währung dieser Zeit, sie gilt auch für Ex-Beatles. Paul Simon, 74 Jahre alt, hat zuletzt anscheinend viel HipHop gehört und dabei wiederentdeckt, wie sehr auch er seine Worte fließen lassen kann.

„In A Pa­rade“ wirbelt karibisch, „Cool Papa Bell“ führt den Weltmusikpionier zurück nach Afrika, der Titelsong „Stranger To Stranger“ ist atemberaubend gut: eine verschachtelte Ballade über die Frage, was passieren würde, wenn Liebende einander noch einmal als Fremde begegneten. Der Refrain gibt sich als solcher erst gar nicht zu erkennen – und strahlt dann umso heller. Große Songwriterkunst. Hinzu kommt, dass man heute selten Alben mit einem so eigen- und einzigartigen Klang hört. Instrumente tauchen auf und verschwinden wieder: Tubas, Synthies und Gitarren, so quirlig und verspielt wie Kinder am ersten Sommer­ferientag.

Es hat sich gelohnt, dass Paul Simon einige Reisen unternahm, um neue Klänge zu finden. Sie führten ihn zu einem italienischen Soundkünstler namens Clap! Clap!, aber auch tief in die Instrumenten- und Harmonie­kunde des Avantgarde-Komponisten Harry Partch. Abenteuerlich und großartig: Eine quicklebendige Legende – tut gut in diesen Zeiten.


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