Petting Zoo Regie: Micah Magee


D, Start: 19. Mai 2016

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Layla (Devon Keller) ist ziemlich gut in der Schule. Schon bevor sie ihr Highschool-Abschlusszeugnis in den Händen halten darf, bekommt sie eine Zusage für das begehrte Stipendium an ihrem Wunsch-College. Doch der Jubel hält nicht lange an. Die 17-Jährige muss nämlich feststellen, dass sie schwanger ist. Doch ihr Kifferfreund, mit dem sie bis dahin zusammenwohnte, will davon rein gar nichts wissen. Eine Abtreibung kommt auch nicht in Frage, weil sich ihre religiösen Eltern querstellen. Und mit einem Mal sieht das rosig hübsche Leben von Vorzeigesprössling Layla mehr als beschissen aus. Sie zieht bei ihrer klapprigen Oma ein, schläft sogar mit ihr in einem Bett, und fängt in einer versifften Imbissbude an zu jobben. Der amerikanische Traum sieht anders aus.

Der schmale Grad zwischen Realität und Fiktion: Für ihr Spielfilmdebüt drehte Micah Magee in ihrer Heimat Texas. In anderthalb Stunden arbeitet sie ihre eigene Vergangenheit auf. Schwangerschaft im Teenie-Alter, die Omnipräsenz von Sex, die Angst im texanischen Städtchen San Antonio für immer zu versumpfen. Dafür holte sich die mittlerweile in Berlin lebende Regisseurin Laiendarsteller an Bord. Und ihre eigenen Kinder schob sie auch noch vor die Linse. Was von alledem ist denn jetzt nicht Doku, sondern echte Filmkunst? Das aufzudröseln, fällt schwer. Kameramann Armin Dierolf schunkelt sich von Szene zu Szene. Es wurde nur das Licht genutzt, das der liebe Wettergott bereit war zu geben. Irgendwie erwartet man jeden Moment, das eine angenehm tiefe Stimme aus dem Off kommentiert, was man da gerade sieht.

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Schließlich gibt es auch noch einen Bildungsauftrag. Junge Mädchen mit Baby-Bauch gehören in Texas fast schon ins Alltagsbild. 2011 hatte San Antonio die zweithöchste Teenagerschwangerschaftsrate aller Städte in den USA – über 50 Prozent höher als der nationale Durchschnitt. Jährlich werden 4.000 Minderjährige schwanger. Als einen der Gründe dafür führt Micah Magee den Aufklärungsunterricht an, der Abstinenz als einzige Verhütungsmethode nennt. Doch wird dieses realistisch inszenierte Drama tatsächlich etwas an diesem unglaublichen Missstand ändern können?

„Petting Zoo“ fehlt der Knall. Der In-die-Fresse-Moment. Protagonistin Layla erlebt einen Schicksalsschlag nach dem anderen und trotzdem bleibt sie ruhig. Alle sind so verdammt ruhig, fast schon resignierend. Das irritiert. Genauso wie die Erzählweise, die mehr mit einer Ballade gemeinsam hat als mit einem typischen Drama. Der krasse Inhalt des Films steht im Kontrast zur poetisch-verwaschenen Machart. So ist Micah Magees Erstling ein berührend intimes Werk geworden, dem aber letztlich das Streben nach etwas Größerem, etwas wirklich Kunstvollen fehlt.


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