Serj Tankian – Elect The Dead

Es hätte so ziemlich alles werden können – vom reinen Poetry-Werk über kruden Jazz-Rock, irrwitzige Electronica bis hin zu Anarcho-Punk. Zum Glück ist es aber nichts davon. Auf seinem Solodebüt entfernt sich der 40-jährige KaJifornier armenisch-libanesischer Herkunft nicht von System Of A Down. Da herrscht immer noch ein stark akzentlastiger Gesang, der Mal freundlich und charmant, im nächsten Moment aber exaltiert, manisch und krank anmutet. Und er schreibt weiterhin verrückte kleine Songs, die durch abenteuerliche Stil- und Tempi-Wechsel glänzen, in Sekundenschnelle von einem (ruhigen) Extrem ins (schnelle) andere verfallen. Also alles wie gehabt, nur dass Serj Tankian diesmal mit anderen Musikern arbeitet und allein dadurch nicht ganz so stark ins Folkloristische und Metallische abdriftet. Dafür spielt er selbst zu viel Klavier, lässt sich von Opernsängerin Ani Maldjian, Guns’N’Roses-Drummer Bryan „Brain“ Mantia sowie Bassist/Gitarrist Dan Monti begleiten und fährtauch schon mal orchestrierten Pathos auf. Doch das ist nur der äußere Anstrich. Die Inhalte sind so radikal wie eh und je. Da geht es um die marode amerikanische Demokratie, um politische Lethargie, die Macht des Geldes, mediale Gehirnwäsche, Umweltzerstörung und, und, und. Aber die zwölf Songs haben auch Lösungsansätze zu bieten. Etwa rassen- und religionsübergreifende Nächstenliebe, Respekt und Solidarität Das ehrliche und aufrichtige Anerkennen des anderen, ohne ihm gleich ein System, eine Philosophie oder irgendwelche Konsumartikel aufdrängen zu wollen. Was natürlich purer Idealismus ist. Dabei kann der bärtige Hobby-Literat und klassisch geschulte Musikus auch anders. In „Baby“ träumt er von einem großen, orgiastischen Liebesakt, und mit „Beethoven’s Cunt“ riskierter Einreiseverbot nach Österreich. Ausdruck für gesunden Umgang mit Sexualität, Kultur und Kunst. Sigmund Freud wäre stolz auf ihn.

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