The High Llamas – Retrospective, Rarities & Instrumentals

Das glorreiche Schaffen aus fast einer Dekade dieser hohen Tiere im Schnelldurchlauf vermittelt neben der als Binsenweisheit geltenden Erkenntnis, dass es sich bei den High Llamas um die Reinkarnation der End-6oer-Beach Boys handelt, vor allem einen Eindruck: Diese Kapelle ist homogen as hell. Nicht ein einziger Bruch, Harmonielehre als Heilslehre, immer währender Wohlklang wie ein Fluch. Und das kann, bei aller Genialität und Kongenialität, ab und an etwas anstrengend werden. Der Autor und Star in der Londoner Literaturszene Jonathan Coe nimmt mit seinen Linernotes zu Retrospective … all jene an die Hand, die vielleicht verlernt haben oder es erst noch lernen müssen, sich klein zu machen und aufmerksam zuzuhören. Und führt sie in das Land der High Llamas. Wo festzustellen bleibt, dass ihre Wahlverwandtschaft zu Robert Wyatt neben der zu Bruder Wilson bislang kaum gewürdigt wurde (aber auch George Harrison scheint in diesem Zusammenhang vernachlässigt worden zu sein) und dass es eben ein fürchterliches Missverständnis sei, dass die Band seichtes Einerlei produziere. Das Gegenteil ist der Fall, lasst euch nicht einlullen! Von 16 ausgewählten, nur nicht herausragenden Stücken aus fünf Alben (Buzzle Bee) erschien nicht bei V2, und auch das Remixalbum Lollo Rosso bleibt außen vor) von Santa Barbara bis Snowbug, wie gesagt: Homogenität is king. Fans wie Debütanten soll aber vor allem die Kollektion von B-Seiten, Bonus-Stücken sowie dem bislang unveröffentlichten Cold and Bouncy-Outtake „Vampo Brazil“ auf CD No. 2 eine Kaufanregung sein. Hier wagen die High Llamas gerne mehr, nutzen die Nischen für instrumentale Experimente und kindlich verspielte Arrangements, lassen den Schalk im Nacken walten, empfehlen sich für Disney, Bacharach und Wilsons Rückkehr von den Entmündigten. Ihr persönliches Smile-Album scheint auf jeden Fall noch möglich.

www.hiqhllamas.com