Tricky Business von Dave Barry

Beim Anblick mancher Umschlagillustrationen fragt man sich, ob die Verantwortlichen Herr ihrer Sinne sind. Bunte Quietschente auf Ketchuprot würde für ein Kinderbuch taugen; hier aber handelt es sich um einen schräg-humorigen Thriller, der wirklich witzig ist – und funktioniert. Da die Geschichte aus mehreren Handlungssträngen besteht, die sich erst im letzten Teil des Romans verknüpfen, sei auf eine Inhaltsangabe verzichtet. Ohnehin interessiert sich der Autor vor allem für die Charaktere, und die nehmen in Blitzgeschwindigkeit Gestalt vordem geistigen Auge an, mit all ihren Eigenheiten: der Kleinkriminelle, der mit schäbigen Ideen Reibach macht und dessen Selbstüberschätzung ungeahnte Folgen hat, die hübsche Kellnerin, die ein Doppelleben führt (als was, wird nicht verraten), zwei Greise aus dem Altersheim, die es ziemlich krachen lassen, und Wally. Sänger und Gitarrist einer drittklassigen Band mit dem völlig bescheuerten Namen „Johnny und die Prellungen“ – allein die Geschichte dieser Namensgebung ist brillant. Darüber hinaus wimmelt es von schrägen Nebenfiguren, und es ist schon erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit der Autor all die Personen und Geschichten zunächst behutsam miteinander verbindet und schließlich mit steigendem Erzähltempo ins furiose Finale führt. Natürlich hat Pulitzer-Preisträger Barry das Rad nicht neu erfunden; vieles erinnert an den Kultautor Elmore Leonard, vor allem die Zeichnung der Gangster, der lakonische, rabenschwarze Humor, die gelegentlichen blutigen Gewaltausbrüche. Und wie die meisten US-Bestsellerautoren setzt er auf drehbuchkompatible Schreibe mit Erfolg – sein vorletzter Roman wird verfilmt), die für anspruchsvolle Leser vielleicht „schundig“ wirkt. Aber „Tricky Business“ will nicht mehrals unterhalten, und das gelingt vortrefflich. Für das dämliche Umschlagbild gibt’s einen halben Punkt Abzug.