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Schöne, laute Welt: Unterwegs auf dem CTM-Festival 2016

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Ein bisschen Verwirrung gehört dazu. Wer sich nur ein wenig Orientierung erhofft in diesem unübersichtlichen Durcheinander aus Richtungen, Genres und Stilen, das wir immer noch Popmusik nennen, im Angesicht einer globalisierten Welt aber „Worldmusic“ nennen sollten – wer also wissen möchte, wo es hin geht mit der Musik, der ist hier wirklich total falsch. Und andererseits goldrichtig. Klingt kompliziert? Nun, das ist es auch. Beim Berliner Festival Club Transmediale (CTM), dem wohl wichtigsten Festival für experimentelle und elektronische Musik in Deutschland, ist Überforderung des Publikums Teil des Programms.

Aus zahllosen Richtungen – Länder, Codes, Narrative – kommt die Musik, die man hier zu hören bekommt. Man bekommt sie nie ganz zu fassen, überblicken kann man sie in ihrer Gesamtheit ohnehin nicht, meistens kann man noch nicht einmal mit Sicherheit sagen, wie denn nun dieser oder jener Ton genau erzeugt wird. Wunderbar und aufregend wird das alles erst, wenn man beginnt sich in diesem stetigen globalen Zischen und Brummen zu verlieren. Irgendwo inmitten dieser flimmernden Reizüberflutung, zwischen den Ausstellungen, Konzerten, Installationen und Videos, zwischen Taiko-Trommeln, Clubmusik, Hip Hop, Field Recordings und Echtzeit-Klangexperimenten, irgendwo dort bekommt man die Gegenwart vielleicht wirklich am besten zu packen.

Musikinstrumente aus Kalaschnikows und ein Popstar, den es gar nicht gibt

„New Geographies“ lautete in diesem Jahr das Motto des CTM-Festivals: diese seltsame nervöse Spannung zwischen der ständigen, digitalen Verfügbarkeit, von globalen Zusammenhängen und lokalen, kulturellen Identitäten. Im Netz werden Songs und Videoclips im Sekundentakt um den Globus gejagt. Und man selbst, der Mensch vor dem Bildschirm, ist davon mindestens genauso überfordert wie fasziniert. Genau wie von der sehr schönen, sehr chaotischen Festival-Ausstellung „Seismographic Sounds – Visions of a new world“, die noch bis März im Kunstraum Bethanien zu sehen ist. Arbeiten von 250 Künstlern aus 50 verschiedenen Ländern sind hier in kleinen, dunklen Räumen zu sehen. Es gibt kein Anfang und kein Ende, nur Massen an Bildern und Musik. Am eindrücklichsten vielleicht die Objekte des Mexikaners Pedro Reyes: Aus von der Polizei im Drogenmilieu beschlagnahmten Kalaschnikows hat er Musikinstrumente geformt.



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