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Sexismus: Wie Kino.de Frauen zu Lustobjekten degradiert

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Darf man mit dem Finger auf Berufskollegen zeigen? Manchmal muss man leider. Denn auch „bei uns“ in der Filmbranche und dem dazugehörigen Journalismus gibt es ernste Probleme, gegen die Filmjournalisten anschreiben können und sollten. Sexismus und Ungleichbehandlung von Männer und Frauen zum Beispiel.

In der Filmbranche – und nicht nur da – kämpfen Frauen seit Jahren dafür, die gleichen Gagen wie ihre männlichen Kollegen zu bekommen. Frauen auf Regiestühlen werden noch immer als Ausnahmen gefeiert, zuletzt gab es zumindest in diesem Punkt eine freudige Entwicklung. In Cannes gewann mit Sofia Coppola den Regie-Preis für „Die Verführten“, mit „Wonder Woman“ regiert gerade ein Superheldenfilm die Kinocharts, der von Patty Jenkins gedreht wurde. Sie war die erste Frau, die ein Budget jenseits der 100 Millionen US-Dollar für einen Film in die Hand nehmen dürfte. Frauen in der Filmbranche erkämpfen sich nach und nach mehr Möglichkeiten.

Erschreckend und traurig ist mit Blick auf diesen mühsamen Fortschritt die Tatsache, dass ausgerechnet große Filmwebseiten mit großer Reichweite einen Gegentrend setzen und Schauspielerinnen routiniert zu Sexobjekten degradieren. Die größten Sexisten arbeiten aktuell bei der Website Kino.de, deren Facebook-Reichweite sich auf 680.000 Follower beläuft.

Dass Kino.de mit schäbigsten Clickbait-Methoden arbeitet, um Leute auf die Website zu ziehen, soll an dieser Stelle nicht das Thema sein. Verantwortungslos ist allerdings die Bebilderung, mit der das Social-Team News ankündigt und häufig TV-Tipps ausspricht.

Ein Beispiel: Als eine Nachricht zur BBC-Serie „Sherlock“ mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman auf Facebook angekündigt wurde, bebilderte Kino.de diese wie folgt.

Aus vier Staffeln „Sherlock“ wurde die einzige Nacktszene gefunden und den Followern, mutmaßlich zum anheizen und klicken, hingeworfen. Die Serie „Shameless“ wird regelmäßig mit der nackten Emmy Rossum beworben, was angesichts der Screenshots sogar Copyright-Fragen aufwirft. Denn ein Promofoto oder Trailer-Screenshot ist das folgende Bild eher nicht:

Ein letztes Beispiel verdeutlicht den Eifer, mit dem das Kino.de-Team Sex- und Nacktszenen zusammenschneidet, um dahinter schlichte Meldungen zu verstecken. Als die Serie „Sense8“ von Netflix abgesetzt wurde, entstand diese Collage:

Kino.de ist nicht die einzige Plattform, die sich solch niederträchtiger Methoden bedient, um Traffic zu generieren (Moviepilot lässt sich auch gern zu halbnackten Frauen hinreißen). Aber die den Werbern von STRÖER zugehörige Webseite treibt das System „Sex Sells“ auf die Spitze. Der Klick-Druck der Redaktion ist durch den Facebook-Auftritt nahezu spürbar, das Ziel rechtfertigt in diesem Fall aber keineswegs die Mittel.

Verheerende Begleitschäden durch „Sex Sells“

Denn die Begleitschäden eines solchen Umganges mit dem Medium Film und den darin agierenden Frauen sind verheerend. Einerseits werden Schauspielerinnen, die nicht auf ihren Körper reduziert werden möchten, zu einer aus dem Kontext gerissenen Fleischbeschau missbraucht. Zum anderen degradiert Kino.de seine Leser zu notgeilen Proleten, die sich beispielsweise nicht für die Serie „Sherlock“ interessieren würden, wenn nicht irgendwann eine nackte Frau darin zu sehen wäre – so suggeriert es zumindest das Vorgehen des Social-Teams.

Einige User kommentieren gegen dieses Vorgehen von Kino.de an, doch der Erfolg scheint dem Portal Recht zu geben. Mehrfach in der Woche wird also ein Film mit einer Nacktszene angekündigt, ein Film auf ein paar Sekunden reduziert, in der sich die Hauptdarstellerin umzieht oder im Bikini zu sehen ist. Ärgerlich ist vor allem der Name der Webseite, die genau dieses Prinzip nutzt um Traffic generieren. Denn Kino ist keine Peepshow, liebes Kino.de-Team.

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