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Adblock Plus und Flattr planen gemeinsames Bezahlmodell zugunsten von Autoren und Verlagen

Adblock Plus wird gemeinhin als der Endgegner derjenigen Online-Publikationen betrachtet, die ihre Inhalte mit Bannerwerbung refinanzieren. Der Anteil von Nutzern, die dieses Plugin für ihren Browser installiert haben, ist im vergangenen Jahr vor allem bei den „interessanten“ Zielgruppen deutlich gestiegen und so ist es sehr wahrscheinlich, dass der geneigte Leser dieses Artikels rechts neben dem Text anstelle einer Werbe-Einblendung eine zwar rot unterlegte, in der Wortwahl aber doch schüchterne Fürbitte im Namen unserer Werbekunden vorfindet. Die Verzweiflung von Medienhäusern, Verlegern und Bloggern erreicht durch geblockte Werbebanner mittlerweile monumentale Ausmaße und führt zu immer absurderen Ansätzen von Native Advertising aka Schleichwerbung.

Adblock Plus wird deshalb von allen Seiten entweder (erfolglos) angegriffen, oder (erfolgreich) bestochen. Die hehre Idee, nervig flimmernde Spam-Werbung ausblenden zu können und damit das kapitalistische System auszutricksen wurde von den anpassungsfähigen Mechanismen des Marktes höchstselbst unterlaufen. Ein hässlicher Nebeneffekt dieser Entwicklung ist auch, dass Werbung nun eben subversiver präsentiert wird oder man in Abomodelle gelockt werden soll.

Eine alternative Lösung dazu hat Adblock Plus nun offenbar selbst angestoßen, zusammen mit dem Micropayment-Dienst Flattr. Das bisherige Belohnungssystem von Flattr galt bis 2012 als zukunftsweisend, konnte sich jedoch nicht etablieren – unter anderem, weil ein Partner mit großer Reichweite und Marktmacht fehlte, der mit Blogger-Netzwerken und Verlagen auf Augenhöhe verhandeln konnte. Außerdem war das Flattr-Bezahlsystem für Spender und Spendenempfänger noch recht umständlich und beruhte auf freiwilliger Teilnahme – und hier kommt wieder Adblock Plus ins Spiel. 

Beim neuen Dienst „Flattr Plus“ sollen die User nicht jedes Mal auf den Flattr-Button klicken müssen, wenn sie einen Artikel unterstützen möchten. Stattdessen protokolliert Adblock Plus die besuchten Seiten des Nutzers und beobachtet sein „Engagement“ bezüglich der gelesenen Artikel (Likes, Verweildauer auf der Seite, Scrolling-Aktivitäten usw). Auf Basis dieser Daten soll der Flattr-Betrag dann automatisch an die „Publisher“ verteilt werden.

Autoren und Verlage werden (auch rückwirkend) ausbezahlt, sobald sie sich dem „Flattr Plus“-Modell anschließen. Ob sich diese Form des Autorenhonorars durchsetzen kann, bleibt deshalb fraglich – im Sinne von wirklich werbefreien Inhalten wäre ein solchen Modell allemal.



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