Highlight: Die 50 besten Alben des Jahres 2016

Diskografie

Tame Impala: Alle Alben im Überblick

Es klingt wie ein Album, das die Beatles unterschlagen haben, weil sie bei den Aufgaben nicht bei Sinnen waren. Alles schwirrt und schwillt, kein Effektpedal bleibt unbenutzt, und Kevin Parker singt Songs, die „Feels Like We Only Go Backwards“ heißen. Als hätte sich John Lennon mit den Pilzen oder Pillen vertan. Aber darum geht es nicht.

Bei Tame Impala dreht sich alles um die Fragen warum man noch psychedelisch musiziert, wenn alle Grenzerfahrungen gesammelt sind, vor allem aber wie. Die Antwort: weil der Fortschritt immerhin die Technik zur Verfügung stellt, und weil Konsolen und Module jetzt so leicht verfügbar sind wie jedes Stück aus der Musikgeschichte. Im Detail hätten die 60er-Jahre nie wie LONERISM klingen können.

(Michael Pilz)

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Tame Impala – CURRENTS (2015)

(Modular/Rough Trade)

Zwei Schritte vor, einer zurück: Psychedeliker Kevin Parker alias Tame Impala zeigt auf seinem dritten Album ungeahnte Schwächen.

Die letzte Tame-Impala-Platte, LONERISM aus dem Jahr 2012, fing mit einem Flüstern an. Die neue beginnt mit einem Paukenschlag: „Let It Happen“ ist der Song, der wohl noch in zwanzig Jahren als der beste im Werk des Australiers Kevin Parker gelten wird, weil er alles, was Tame Impala ausmacht, vereint und perfektioniert: Er ist ein klassischer Psych-Rock-Wirbelwind, der sich etwa ab der Hälfte den Synthesizer-Flächen geschlagen geben muss und ins Elektronische umschlägt, getragen von einer unvergesslichen Melodie. Spätestens wenn kurz vor Schluss die Bassline den Song zersägt, kann man sagen: It happened. Eine dramaturgische Meis­terleistung in acht Minuten.

Das Stück zeigt aber auch die neue Stärke Kevin Parkers: sein gewachsenes Selbstbewusstsein. Stand der Name Tame Impala bis dato sinnbildlich für den introvertierten Studio-Nerd, der sich in seinen Effektgeräten suhlt, entdeckt Parker auf CURRENTS vor allem seine Stimme neu. Der Gesang steht endlich öfter im Zentrum des wuseligen Geschehens, anstatt sich als gleichberechtigtes Instrument zwischen zig Gitarrenspuren einordnen zu müssen. Auch wenn der näselnde Parker nicht der größte Sänger ist: ein Pluspunkt. Doch alles andere, was „Let It Happen“ vormacht, findet man auf dem Rest des Albums nur in geringen Dosen wieder. Dafür übernehmen zu oft Schnulzigkeit und pathetischer 80er-Kitsch das Kommando.

Caroline/Universal


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