The Bravery


Wave-Rock mit düsterem Disco-Einschlag: Für fünf New Yorker geht es steil nach oben.

Beobachtet man Sam Endicott von The Bravery, wie er nach seinem zweiten ausverkauften Konzert bei der Aftershow-Party im Londoner Koko mit einem selbstzufriedenen Grinsen wechselnde blonde Mädchen von Bar zu Bar leitet, wie er mit gespielter Souveränität mit Kate Moss plaudert und ganz offensichtlich die Aufmerksamkeit genießt, die ihm, seiner Morrissey-Frisur und der mit Kajal geschminkten Band derzeit in London zuteil wird, ist leicht vorstellbar, wie wütend ihn die Ereignisse am Vorabend gemacht haben müssen. „Nach der Show gestern hat ein Security-Officer das Mädchen nicht hinter die Bühne gelassen, das Sam im Arm hatte“, erzählt der Manager von The Bravery schadenfroh. „Sam ist fast durchgedreht. ‚Das kannst du mir nicht verwehren‘, hat er immer wiedergesagt. ,Das ist der Grund, warum ich diese Band gegründet habe: damit ich Mädchen mit backstage nehmen kann.‘ Ich hab mich totgelacht.“ Später in der Nacht sucht der Manager noch einmal das Gespräch, um sich nach dem Verhalten seiner Band im Interview zu erkundigen: „Waren sie gut? Haben sie ordentliche Antworten gegeben? Ich muß das wissen, sowas ist wichtig.“ Tatsächlich haben The Bravery am frühen Abend durchaus ordentliche Antworten gegeben. Auch wenn nicht alle davon ganz ernst gemeint waren. „Ja, wir nehmen das mit unserer Band nicht auf die leichte Schulter“, meinte Sam Endicott beispielsweise, ohne das Gesicht zu verziehen. „Wir haben auch über Jahre in New York unablässig geprobt. Vor allem das Saufen.“ Gut möglich, daß er die Wahrheit sagt. Unbestritten aber ist, daß sich die fünf New Yorker an unzähligen Abenden in einem heruntergekommenen Loft an der Grenze zur New Yorker Chinatown auch zum Arbeiten getroffen haben. Mit billigstem Equipment hat Endicott dort mit Keyboarder John Conway, dem Bassisten Mike H und dem Gitarristen Michael Zakarin die düsteren, aber eingängigen New-Wave-Songs zwischen The Cure, New Order, Dead Or Alive und Hot Hot Heat auf Festplatte aufgenommen, die der Band derzeit so enormen Erfolg bescheren. 7000 Dollar hat das Debüt nur gekostet, und wären die treibenden Drumparts von Tony Burulcich nicht im Studio eingespielt worden, man hätte gar die 4000 Dollar Budget für The White Stripes‚ WHITE BLOOD CELLS unterbieten können. „Von der Einstellung haben wir viel mit den Musikern gemein, die Punk zu der Zeit gespielt haben, als er sich zu New Wave entwickelt hat“, so Endicott. „Es ging darum, möglichst energetisch einfachen, handgemachten Garagen-Rock zu spielen und dann herauszufinden, in welcher Form man moderne Technologie ins Spiel bringen könnte.“ Mit ihrem selbstbetitelten Debüt haben sie jedenfalls in England den Nerv der Zeit getroffen: Nachdem die BBC The Bravery zum vielversprechendsten Newcomer des Jahres 2005 erklärte, waren alle Konzerte auf der Insel ausverkauft. ME präsentiert die Deutschland-Tour im Mai.

The Bravery – THE BRAVERY (Mai; Universal)