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Kritik

„The Marvelous Mrs. Maisel“, Staffel 3: Sprachverliebtheit zum Totlachen

von

3. Nur Juden können sich so geschmackvoll über Juden lustig machen

In Hollywood arbeiten zahlreiche Produzenten und Autoren mit jüdischem Background, auch Sherman-Palladino ist da keine Ausnahme. Weswegen es ihr natürlich erlaubt ist, jede jüdische Tradition, jedes jüdische Klischee und jedwede jüdische Charakterstärke mit gebührender Anerkennung durch den Kakao zu ziehen. Eine Konstante, die auch in der dritten Staffel für einige politisch-unkorrekte Lacher sorgt. Mit aufmerksamem Feixen darf zum Beispiel der Cowboy bedacht werden, der unter seinem texanischen Cowboyhut plötzlich eine Kippa offenbart. Eine kopflastige, aber praktische Emulsion der Kulturen, sozusagen.

4. Popkultur, Feminismus und Comedy

Natürlich steht die Popkultur der ausklingenden 1950er-Jahre noch auf anderen Füßen, als im Jahre 2019. Namen wie Joan Rivers, Phyllis Diller und Totie Fields, die zu den ersten erfolgreichen weiblichen Comedians der USA gezählt werden dürfen, sind da wichtig und werden immer wieder als Einflüsse für die Figur von Midge Maisel genannt. Maisel-Darstellerin Rachel Brosnahan erwähnte in einem Interview mit dem National Public Radio NPR die Komikerin Jean Carroll als Vorbild für die Rolle, die bereits in den 1950ern auf der Bühne stand, aber an unkonventioneller Verruchtheit nicht mit der Figur von Mrs. Maisel mithalten kann. Als Feministin sieht die Schauspielerin Midge Maisel indes nicht, wie sie der „New York Times“ erzählte: „Sie ist eine Figur ihrer Zeit. Aber sie ist neugierig und unersättlich.“ Der immer wieder auftauchende, und für Mrs. Maisels Erfolg als Stand-Upperin maßgebliche Lenny Bruce (gespielt von Luke Kirby) ist derweil keine fiktive Figur, sondern war einer der ersten US-Comedians, der mit politischen und sozialkritischen Stand-Up-Comedy-Auftritten großen Erfolg feierte und dafür öfter mal einfuhr.

5. Musikreferenzen zum Nachgooglen

Natürlich bieten die 1950er- und 1960er-Jahre ein Füllhorn an uns unbekannter Musik, welches bei Mrs. Maisel mit Wonne ausgeschüttet wird. Interpretationen großer Klassiker, orchestrale Schwelgereien, Mitsing-Evergreens und gar nicht so alte Pophits – es ist alles da und eröffnet die Möglichkeit, noch weiter in diese Ära amerikanischer Kultur einzutauchen und sich auch musikalisch noch ein bisschen fortzubilden. In dieser Staffel treffen unter anderem Nina Simone, Thin Lizzy, Barney Kessel, The Rockettes, John Lennon und Fountains Of Wayne als völlig ungleiche Musik-Joker aufeinander – was gleichermaßen für die Zeitlosigkeit großer (musikalischer) Kunst spricht, wie es auch erneut unterstreicht, dass Mrs. Maisel in jeglicher Hinsicht das Zeug zu einem Serienklassiker hat, den man spätestens mit dieser Staffel nun mal wirklich liebhaben muss.



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