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The Police: Drei Egos, fünf Platten, sieben Jahre

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Punk mag der heiße Scheiß sein, korrespondiert aber nicht unbedingt mit dem künstlerischen Selbstverständnis der Herren Copeland und Sting, die sich tendenziell zu Höherem berufen fühlen und ohnehin mit Padovanis limitierten Fähigkeiten hadern. Mit Mike Howlett, ehemals Mitglied der avantgardistischen Hippie-Kommune Gong, gründen sie das kurzlebige Projekt Strontium 90, das zwar außer ein paar Demotapes nichts Verwertbares abwirft, in dessen Reihen jedoch ein versierter Veteran seinen Dienst tut: Gitarrist Andy Summers, rund zehn Jahre älter als Copeland und Sting, der seine Brötchen seit geraumer Zeit als Tour- und Studiomusiker verdient. Die Konsequenz: Padovani muss gehen, Summers kommt.

Ein Stück vom Kuchen

Zum Narrativ eines Band-Mythos gehören gemeinhin blumige Berichte über Freundschaften, gar Seelenverwandtschaften und gemeinsame Ideale. Was The Police betrifft, sollte man sich keinen allzu romantischen Illusionen hingeben: Größter gemeinsamer Nenner ist damals vermutlich der Frust über den Status quo und das Bedürfnis, ein Stück vom Kuchen abzubekommen, dessen Größe endlich dem eigenen Talent entspricht. Was aber keineswegs verwerflich ist. Nur der Vollständigkeit halber.

Als The Police 1978 mit „Roxanne“, „Can’t Stand Losing You“ und „So Lonely“ drei zweifellos gelungene Singles veröfffentlichen, allesamt komponiert von Sting, werden sie zunächst als New-Wave- Band wahrgenommen – wie so ziemlich alles, was dieser Tage aus dem Vereinigten Königreich in die große, weite Welt schwappt. Reggae ist zu diesem Zeitpunkt längst im Mainstream angekommen und spielt im Klangbild der Band eine tragende Rolle, von karibischem Sommerhit-Flair à la „Dreadlock Holiday“ sind The Police aber denkbar weit entfernt: Copeland synkopiert präzise und rhythmisch komplex, Summers entsagt dem allzu oft auf selbstgefällige Virtuosität geeichten Zeitgeist der Siebziger mit drahtigem Minimalismus.


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Sting wiederum vermittelt mit heiserer, hoher und bisweilen regelrecht gepresst wirkender Stimme die nötige Dringlichkeit. Dass mindestens zwei der drei Blondschöpfe, namentlich die Endzwanziger Copeland und Sting, auch als Posterboys eine ordentliche Figur abgeben, ist sicherlich nicht von Nachteil.



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