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Kritik

„The Sinner” (Staffel 3) bei Netflix: Psychologische Abgründe für Hobbyrätsler und „Tatort”-Muffel

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Schrittweise in den Abgrund

Über die weiteren Enthüllungen sollte Stillschweigen bewahrt werden. „The Sinner“ bleibt seinem Konzept treu und führt die Zuschauer*innen mehrmals in die Irre, bevor die Drehbuchschreiber*innen ohne Rücksicht das Pflaster von allen Vermutungen und Spekulationen abreißen: Der Weg in die Psyche eines gestörten Mannes wird zum freien Fall ins Bodenlose. Mit Matt Bomer haben die Produzenten, zu denen auch Hauptdarstellerin aus Staffel 1 Jessica Biel zählt, einen guten Fang gemacht. Opfer, Täter, Strippenzieher: Keine Facette seiner Figur, die den Großteil der Serie allein stemmen muss, bringt den 42-Jährigen aus der Fassung. Nach dem Kinderdarsteller aus Staffel 2 eine weise Entscheidung, dem Publikum einen Charakter zu präsentieren, der durchgehend mehr Empathiebasis bietet als der Junge, der (k)ein Mörder war.      

Bill Pullmans Rolle sorgt dagegen für wenig Überraschung. Von Leben gezeichnet und vom Ischias gequält, tappt er von einer Enthüllung in die nächste, an deren Ende ein dunkles Loch auf ihn wartet. Der Cliffhanger zur nächsten Staffel ist dabei nur eine kleine Formalie am Rande, die allerdings viel Potenzial birgt. Bleibt zu hoffen, dass die Autor*innen für die bereits angekündigte 4. Staffel den offensichtlichen Faden aufnehmen und weiterspinnen. 

„The Sinner“, Staffel 3 ist seit dem 20. Juni 2020 bei Netflix im Abo verfügbar.



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