„Tote Mädchen lügen nicht“: Warum auch die 3. Staffel des Teenie-Dramas höchst problematisch ist

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Die neue Erzählerin Ani scheint nicht bei jedem Zuschauer gut anzukommen.

Generell wirkt es deplatziert, eine völlig fremde Person, deren Vergangenheit — vielleicht in der Hoffnung auf eine vierte Staffel— nicht mal angeschnitten wird, als essenziellen Mitspieler ins Geschehen zu werfen und ihn schließlich sogar stellvertretend für den eingeschworenen Freundeskreis eine weitreichende, kollektive Entscheidung treffen zu lassen. Vor allem ist es jedoch Anis Beziehung zu Bryce, die dem Zuschauer wenig nachvollziehbar erscheint, auch wenn sich die Serienmacher die größte Mühe geben, den Bösewicht der Serie diesmal mit einer humaneren Seite auszustatten.

Trotzdem scheint man aus vergangenen Fehlern gelernt zu haben

Immerhin zeigt „Tote Mädchen lügen nicht“ dann doch noch ein wenig von dem, was seine erste Staffel zu einem generellen Publikumserfolg gemacht hat: die Fähigkeit, Diskussionen anzustoßen und kontroverse Fragen zu stellen. Was genau macht Männlichkeit aus? Werden wir mit Grausamkeit geboren oder dazu erzogen? Wie viel Empathie darf man für einen Serienvergewaltiger zeigen? Und wie viel Selbstreflexion darf man von diesem erwarten?

Wie viel Empathie darf man für einen Serienvergewaltiger empfinden?

Eine weitere Stärke der Serie zeigt sich — und hier scheint man tatsächlich aus vorangegangenen Fehlern gelernt zu haben — in ihrem Umgang mit Situationen, die Feingefühl erfordern. So beispielsweise als Tyler, großartig gespielt von Devin Druid, endlich die notwendige Kraft dazu aufbringt, sich Clay anzuvertrauen und so den ersten wirklichen Schritt in Richtung Genesung zu wagen.

Ende gut, gar nichts gut

Das Ende der Staffel soll vermutlich als cleverer Plot Twist daherkommen, ergibt nur leider überhaupt keinen Sinn. Von allen verdächtigen Teenagern entpuppt sich schließlich derjenige als Mörder, der am wenigsten einen Grund für solch eine Tat hätte. Und auch Anis „genialer“ Plan, der die Schüler allesamt relativ ungeschoren davonkommen lässt, wirkt mehr bequem als gut durchdacht.

Am problematischsten ist wohl aber die Tatsache, dass heranwachsende Zuschauer trotz all der nötigen Denkanstöße in ihren Interpretationsbemühungen auf sich allein gestellt bleiben. So wird beispielsweise der Eindruck vermittelt, ein potentieller Amokläufer wie Tyler könne allein durch das aufopferungsvolle Engagement seiner Freunde (und ein paar wenige Gespräche mit der Schulpädagogin) vollständig rehabilitiert werden.

Netflix
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