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Highlight: Das sind die besten Netflix-Serien

Kritik

„Unbelievable“ auf Netflix: Stell‘ Dir vor, Du wurdest vergewaltigt – und keiner glaubt Dir

Ohne sie wäre der Vergewaltiger von Marie Adler und mindestens 30 weiteren Frauen wohl bis heute nicht gefunden worden: Karen Duvall (Merrit Wever) und Grace Rasmussen (Toni Collette)
Ohne sie wäre der Vergewaltiger von Marie Adler und mindestens 30 weiteren Frauen wohl bis heute nicht gefunden worden: Karen Duvall (Merrit Wever) und Grace Rasmussen (Toni Collette)

„Unbelievable“: inspiriert von einem wahren Fall, der 2015 an die Öffentlichkeit gelangte

„Unbelievable“ basiert auf dem Enthüllungsartikel „An Unbelievable Story Of Rape“, in dem die Journalisten Christian Miller und Ken Armstrong den unglaublichen Fall zu Tage brachten und dafür einen Pulitzer-Preis gewannen. In der von Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin Susannah Grant, Romanautorin und Juristin Ayelet Waldman sowie Autor Michael Chabon erdachten und seit 13. September auf Netflix laufenden Miniserie werden zwei Handlungsstränge parallel erzählt: Neben dem Fall Adler geht es um die Polizistinnen Grace Rasmussen (Toni Collette) und Karen Duvall (Merrit Wever), die zwei Jahre später in Colorado einem Serienvergewaltiger auf die Spur kommen, dessen dutzende Taten erstaunliche Parallelen zu den von Marie geschilderten aufweisen. Davon, und so speist sich das ganze Drama, wissen beide Parteien aber über Jahre hinweg nichts: Erst, als Rasmussen und Duvall durch eine Mischung aus Überstunden, Hartnäckigkeit, dem Wunsch nach Gerechtigkeit, investigativen Höchstleistungen und Zufall den Täter doch ausfindig und dingfest machen können, entdecken sie bei ihm Fotos weiterer Opfer – darunter auch eines von Marie Adler und somit den Beweis, dass sie eben doch die Wahrheit sagte und seit ihrer Vergewaltigung wie all die anderen Opfer kläglich versucht, ihr Leben halbwegs in den Griff zu kriegen. Es gehört zu den wichtigsten Szenen von „Unbelievable“, als einer der damit konfrontierten Polizisten, die Adler damals mundtot machten, milde Reue zeigt, sein Versagen erkennt, trotzdem keinerlei Mitleid provoziert – und Adler damit immerhin den Weg in ein selbstbestimmteres, wenngleich wohl niemals mehr angstfreies Leben eröffnet.

So sehr, wie von einer anderen neu gestarteten Netflix-Serie abgeraten werden muss, so unbedingt empfehlenswert ist „Unbelievable“: Als Bingewatcher denkt man zwingend an „Mindhunter“ und die dort ähnlich verzweifelte Suche der FBI-Agenten, irgendwelche Muster in den Taten zu erkennen, die Rückschlüsse auf den Serientäter zulassen, um ihn endlich zu stoppen. Oder an die erste Staffel „True Detective“, in der zwei grund- und glaubensverschiedene Detectives ganz tief in die menschliche Psyche fallen, um sich das Unvorstellbare vorzustellen. Das Dokumentarische (wegen des echten Falls als Vorlage) im Fiktionalisierten ist vielleicht auch das einzige Problem von „Unbelievable“ als Unterhaltungsformat: Nachdem sieben Folgen lang die Polizeiarbeit so gut wie gar nicht vorwärts und damit stellenweise fast Langeweile aufkommt, läuft es im nahezu versöhnlichen Serienfinale für die drei weiblichen Protagonisten, die sich übrigens nie trafen, beinahe zu rund. Nicht, dass sie es nicht verdient hätten.

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