Van der Graaf Generator: Live in London

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Van der Graaf Generator kann man von den veteran bands des Prog Rock durchaus als bis heute spannendste bezeichnen. Das mag zum einen daran liegen, dass die Band den Fehler, in den 80er Jahren die falschen Songs mit den falschen Synthesizern einzuspielen und den falschen Produzenten in die Hände zu geben, nicht begangen hat. Sie hat sich nämlich in weiser Voraussicht Ende der 70er aufgelöst, ohne bis dahin ein schlechtes Album veröffentlicht zu haben.

Seit der Wiedervereinigung vor einigen Jahren ist der Gruppe um Sänger, Keyboarder und Gitarrist Peter Hammill wiederum eine Reihe guter Alben gelungen, von denen das aktuelle Werk „A Grounding in Numbers“ durchaus als kreativer Höhepunkt bezeichnet werden kann. Man darf also gespannt sein, was der nunmehr auf ein Trio geschrumpften Formation in Zukunft noch gelingen wird. Stichwort „Trio“: Im triadischen Wesenszustand der Band mag für manch einen, wenngleich schon zwei Alben in dieser Konstellation veröffentlicht wurden, bei den Konzerten noch heute der Hund begraben sein. Schließlich hat 2006 mit David Jackson nicht irgendwer die Band verlassen, sondern einer der wenigen Saxophonisten die es in der Rockmusik der letzten 50 Jahre geschafft haben, ihr Instrument zum integralen Bestandteil eines Bandsounds werden zu lassen, ohne dabei als reiner Lieferant von nervtötenden  Solos zu fungieren.

Zwar darf man dem Herrn diesen Schritt nicht übel nehmen, doch wer VdGG mit ihm schon live erlebt hat, dem gehen doch so manche Fragen durch den Kopf. Können etwa Songs wie das krude Lemmings oder der existenzialistische Angstruf Childlike Faith in Childhood’s End  im Konzert die unglaubliche Größe der Studioaufnahmen erreichen?

Sie können tatsächlich. Nach einem relativ behäbigen, mit Songs aus den letzten beiden Alben gespeisten Anfang nämlich greift Hammill erstmals zur Gitarre –  und da nimmt das Konzert Fahrt an. Die drei grundsympathischen Musiker delirieren durch Songmaterial der letzten vier Jahrzehnte, es entsteht eine auratische Dichte, man weiß als Zuschauer nicht, wem man am liebsten beim Spielen zusehen möchte. In den Pausen wird man durch lautstark bekundete Songwünsche aus dem Publikum wieder auf den Boden der Tatsachen geholt; Peter Hammill muss zum Teil demonstrativ auf seine umgehängte Gitarre zeigen, um zu signalisieren dass die gewünschten (Klavier-)Songs nicht gespielt werden. Überhaupt lässt man sich zu den geforderten Klassikern nur selten hinreißen. Nur ein Song von „Godbluff“ wird gespielt, nichts aus „H to He, Who Am the Only One“ oder World Record, stattdessen findet viel neues Material Eingang in die Setlist.



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