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Highlight: Mittelmäßige Rocker und Comedians: Die Foo Fighters besitzen die Coolness von bierseligen Lehramtsstudenten

Kommentar

Warum die Welt kein neues Album der Foo Fighters braucht – es ihr aber auch nicht schaden wird

Unumstritten: Die Foo Fighters sind eine der größten Rockbands der Welt. The Rolling Stones. U2. Metallica. Depeche Mode. Pearl Jam. Und die Foo Fighters.

All diese Bands füllen Stadien – und um diese Stadien auch bei der nächsten Tour wieder zu füllen, bringen sie mehr oder weniger regelmäßig neue Alben heraus. Die sind okay bis nichtig, das liegt in der Natur der Sache: Weil man selbst als größter Künstler irgendwann eben doch anfängt, an die Fans/Käufer zu denken. An die Verantwortung, die das eigene Bandunternehmen für all seine Mitarbeiter nach sich zieht. An die Familie, die Kinder, das Erbe, leider eben nicht nur das musikalische. Nachvollziehbar, na klar. Für die Kunst gilt aber nach wie vor David Bowies Zitat: „The only real failure is trying to second-guess the taste of an audience. Nothing comes out of that except a kind of inward humiliation.“

Die Foo Fighters denken andauernd an ihre Fans. Sie lassen sie während ihrer Konzerte auf der Bühne mittrommeln, mitsingen, reisen für sie auf Nachfrage nach Italien, drehen lustige Videos. Schlagzeilen schreiben die Foo Fighters bis auf wenige Ausnahmen nur gute. Diese Volksnähe würde der Autor dieser Zeilen, anders als vor zwei Jahren Frederic Schwilden in der „Welt“, den Foo Fighters niemals vorwerfen. Im Gegenteil: Nichts ist befremdlicher als ein Rockstar wie Bono, der seine schwachen Songs der vergangenen Jahre mit Unnahbarkeit und Pathos kaschiert. Nein, ihre Nahbarkeit macht die Foo Fighters nicht zu einer schlechten oder gar schlimmen Band. Es ist eher umgekehrt: Wenn die Songs alleine nicht mehr reichen, ist es das Pfund, was sie noch haben.

Kooperation

Bei den Foo Fighters gibt es zwei Arten von Liedern: Die einen sind die, mit denen die Band ihrer Biografie und ihrem Genre etwas Neues oder immerhin Unerwartetes, vielleicht auch nur eine gute Idee oder Hookline, hinzufügt. „For All The Cows“ war so ein Fall. Jeder Song auf THE COLOR AND THE SHAPE, das dieses Jahr übrigens 20 Jahre alt geworden ist. „Times Like These“. Oder wieder, Jahre später, viele Songs auf dem überraschend starken WASTING LIGHT. Dazwischen: viel Ödland und damit die andere Art von Liedern. Man muss schon ein sehr großer Fan der Foo Fighters sein, um sich an Alben wie IN YOUR HONOR, ECHOES, SILENCE, PATIENCE AND GRACE und, obwohl erst drei Jahr alt, SONIC HIGHWAYS, überhaupt detailliert zu erinnern. Auf diesen Pflichtplatten stellten die Foo Fighters ihre ganze Berechenbarkeit unter Beweis. Selbst Hitsingles wie „The Wheel“, „Pretender“ und die neue Single „Run“ verwalten im Grunde bloß ihr eigenes Erbe. 08/15-Foo-Fighters-Rock und damit natürlich immer noch stärker als der stärkste Song vieler anderen Bands. Aber warum sollte ich „La Dee Da“ von ihrem neuen Album hören, wenn sie doch 15 Jahre vorher schon mit „All My Life“ das gleiche Lied schrieben? Fans werden rufen: Weil es Bock macht!

Verdammte Entertainer: Außer ihrer Berechenbarkeit kann man den Foo Fighters eigentlich nichts vorwerfen

Den Foo Fighters selbst macht ihre Musik offenbar auch nach all den Jahren noch gehörig Bock. Sie tun damit auch weiterhin keinem weh. Weder sich, ihren Fans noch den Kritikern. Man kann dieser Band außer ihrer Berechenbarkeit und der ewigen Rockpose eigentlich nichts vorwerfen. Es ist, wie Ex-Guns’N’Roses-Drummer Matt Sorum einst sagte: „Wenn du zu einem Foo-Fighters-Konzert gehst, wirst du eine Band sehen, die ihre Songs spielt und alles wird gut funktionieren und Dave Grohl wird der Menge danken und alle werden nach Hause gehen und glauben, eine wirklich gute Rock’n’Roll-Show gesehen zu haben. Nicht alles lief perfekt in den Bands, in denen ich spielte, aber ich weiß eine Sache: Auf dem Weg nach Hause dachten alle Leute: ‘Ach du Scheiße, was war das?’“

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wir, die mutmaßliche Indie-Polizei, die wir nicht sind, finden die Foo Fighters nicht doof, weil sie groß und erfolgreich wurden. Der Autor dieser Zeilen zählt THE COLOR AND THE SHAPE noch immer zu den für ihn 10 wichtigsten Platten aller Zeiten. Sie haben sich schlichtweg bereits ausgelotet in alle Richtungen, sie überraschen nicht mehr. Wie auch Coldplay, Mumford & Sons und die Kings Of Leon irgendwann langweilten.

Wenn die Foo Fighters am 15. September 2017 ihr neuntes Studioalbum mit dem schon einschläfernden Titel CONCRETE AND GOLD veröffentlicht haben werden, wird alles routiniert ablaufen: Die Platte wird mindestens in UK auf die 1 gehen, sie wird nach „Run“ noch den ein oder anderen Rockradio-Airplayhit abgeworfen haben, die Foo Fighters werden damit weiterhin auf Tour gehen. Bis zu einer Auszeit und der nächsten Platte. So weit, so entertaining, so egal. Aber was soll’s: Sind doch so nette Kerle.

Die Foo Fighters treten im September 2017 beim Lollapalooza Berlin auf.


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