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Meinung

Warum Tyler, The Creator mit „IGOR“ endlich er selbst ist

Inwieweit das Coming-Out seines alten Buddies Frank Ocean ihn dazu inspirierte und motivierte, das Versteckspiel mit seiner nicht festgelegten sexuellen Präferenz im Hardcore-Hetero-Genre HipHop aufzugeben, ist müßig zu hinterfragen – IGOR ist zumindest ein weiteres Indiz dafür, dass Tyler in den vergangenen fünf Jahren gelernt hat, sich endlich selbst zu lieben.

Das Produkt dieses Schrittes zur Selbstliebe – und damit, alte Küchenphilosophie bestätigend, erst in der Lage zu sein, eine andere Person zu lieben –, ist IGOR. Tyler, The Creator vertont ein 90-minütiges Leinwand-Liebes-Drama in dichte 39 Minuten: Vom musikalischen Thema, das die Ankunft des Schwarms verkündet („Igor’s Theme“) über den eigentlichen Akt des Sich-Verliebens („Earfquake“) über das Teilen seiner Gefühle mit dem Anderen („I Think“) über den Liebeskummer („Gone Gone/Thank You“) bis hin zur letzten, resignierenden Frage („Are We Still Friends?“).

Für dieses, sein persönlichstes, Album setzt Tyler auch im Sound auf Wärme: Organische Motown-Drums, heimelige Bässe, funky Prince-a-like Gitarren und immer wieder Synths aus Kanye Wests Selbstkasteiungs-Mottenkiste. Diesen neuen, freien Tyler, The Creator, der endlich auch einfach Tyler Gregory Okonma sein kann und will, wollte er seinen britischen Fans in einem kleinen Künstlercafé im Südlondoner Stadtteil Peckham präsentieren. Statt der geplanten 300 Leute strömten, nun ja, so viele Menschen dorthin, dass die Polizei das Gelände sowie eine angrenzende Bahnstation räumen lassen musste.

An die alten, verrückten Tage erinnerten Tyler diese Bilder, schrieb er auf Twitter. Ja, auch enfant terribles werden älter, und ja, auch 28-Jährige können bereits Nostalgie verspüren. Nun wird sich London und Großbritannien – und wahrscheinlich auch der Rest Europas – bis September gedulden müssen, um die Reinkarnation Tyler, The Creators als stolzen, liebenden, queeren Singsang-Rapper zu erleben. Dann wird er nämlich statt 300 über 10.000 Menschen zwei Abende lang in der Brixton Academy erzählen, wie das war, damals mit Igor.



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