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Wie The Red Hot Chili Peppers mit John Frusciante larger than life wurden – und es vielleicht wieder werden

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Beim Hamburger Showcase ist am 7. Juni 2002 von derlei Exhibitionsgelüsten wenig zu spüren. Vielleicht ist es auf dem Dach des Technikriesen Saturn auch einfach zu windig, als die Red Hot Chili Peppers die Bühne betreten. John Frusciante sieht aus wie ein zerzauster UPS-Bote, Anthony Kiedis trägt das Logo der Dead Kennedys auf dem Longsleeve und widmet die Show dem zwei Tage zuvor verstorbenen Dee Dee Ramone. Die Aftershow beehrt die Band nur kurz, Flea macht Smalltalk in einer Art Pyjama. Womöglich ruft wieder einer der persönlichen Coaches und mahnt zu ausreichend Schlaf oder der Einnahme makrobiotischen Tees. So geschehen am Nachmittag, als sich im Gespräch mit Frusciante plötzlich die Tür öffnet, diesmal jedoch nicht etwa Chad Smith samt Airdrums ins Zimmer poltert, sondern jemand aus dem Red-Hot-Chili-Peppers-Zirkel, mit dem Hinweis, dass es Zeit für eben jenes Heißgetränk sei. Frusciante leistet dieser Aufforderung umgehend Folge.

Dies sind die zeitlichen Eckpunkte, die Pole, die Antipoden, zwischen denen sich die Karriere der Red Hot Chili Peppers abspielt, als wäre sie eine Staffel von „Dark“; voller Zeitsprünge, mit Haupt- und Nebenschauplätzen, diffusen Charakteren, die kurz auftauchen und wieder verschwinden, mit geheimnisvollen Botschaften, nie zuvor gehörten Klängen, Menschen in komischen Klamotten, mit schrägen Frisuren, Narben, Körperschmuck, mit Stars und Statisten, einige kurzlebig, andere unsterblich: hier die Pimmel-Poser, mit schmaler Brust, frei von Tattoos, dort, siebzehn Jahre später, als „Elder Statesmen“ in einer anderen Welt unterwegs. Gereift, unübersehbar abgekämpft, schon drei Jahre vor BY THE WAY, im Clip zu „Scar Tissue“, ein Verweis auf das scherbenreiche Schleudertrauma, das die vier durchgestanden haben, wie sie da mit zerbrochenen Gitarrenhälsen und angekokelten Notizbüchern, blutigen Kopfverbänden und Schürfwunden an den Armen mit einer zerbeulten Limousine in den Sonnenuntergang der kalifornischen Wüste fahren.


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Als Tony Flow and the Miraculously Majestic Masters Of Mayhem waren sie fast 20 Jahre zuvor gestartet, die Schulkumpels Anthony Kiedis und Michael Balzary, den alle nur Flea nennen.
Gitarrist Hillel Slovak und Drummer Jack Irons, beide mit anderthalb Beinen bei der Band What Is This?, die es in den Clubs und Lounges von Los Angeles bereits zu lokaler Berühmtheit gebracht hat, sind auch an Bord. Die Kräfteverhältnisse verschieben sich zügig, die Stadt der Engel hat traditionell offene Arme für Combos, die ihr Innerstes nach außen kehren. Die Säle füllen sich, der neue Name, Red Hot Chili Peppers, birgt größeres Erfolgspotenzial als der Zungenbrecher-Gimmick, ihr Crossover aus Rap, Rock und Funk tut sein Übriges: 1984, gut anderthalb Jahre später, erscheint das selbstbetitelte Debüt, produziert von Andy Gill, Postpunk-Pionier mit Gang Of Four, einer der Lieblingsbands unter den Chili Peppers. Slovak und Irons sind kurz vor den Aufnahmen ausgestiegen, um ein Jahr später wieder an Bord zu kommen; die Fluktuation im Gefüge würde sich von nun an zu einem stabilen Strang der Band-DNA auswachsen.



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