WM 2026: Halbzeitshow, Skandale und das Ohropax-Problem

48 Teams, Spiele um 4 Uhr morgens und Einreisechaos für den Iran sorgen für eine turbulente WM. Sie ist schon jetzt groß, laut und politisch. Hier erfährst du, was du vor dem Anstoß wissen musst.

Kramt die Farbstifte aus dem Keller und stellt die Bierkästen kalt, denn es ist Zeit für die WM – und noch dazu die „größte, inklusivste und großartigste WM aller Zeiten“, wie FIFA-Präsident Infantino sie Ende Mai 2026 beschrieb. Doch warum ist diese WM so groß – und was haben Ohropax und Boykott-Aufrufe damit zu tun?

Einfach „Great“

Die WM 2026 ist nicht nur geografisch eine große Veranstaltung, weil sie in Mexiko, Kanada und den USA stattfindet – auch die Teilnehmer:innenzahl wurde deutlich angehoben. Statt bisher 32 nehmen ab diesem Jahr 48 Nationen teil. Das bringt einerseits Newcomer wie Kongo, Haiti, Usbekistan und Katar ins Turnier, andererseits steigt die Zahl der übertragenen Spiele von 64 auf 104.

Mehr Spiele bedeuten mehr Werbefläche und Einnahmen – allerdings bleibt abzuwarten, wie groß das Interesse an einer Partie Kongo gegen Usbekistan um 1:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit ausfällt. Womit das nächste Thema bereits auf dem Tisch liegt: die Anstoßzeiten.

Ohropax

Wer damit gerechnet hatte, ein wenig Arbeitszeitbetrug zu begehen und Kongo gegen Usbekistan heimlich auf dem Klo zu verfolgen, wird enttäuscht: Dieser Hochkaräter steigt um 1:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Eine WM auf einem anderen Kontinent bringt eben kuriose Anstoßzeiten mit sich – in der Gruppenphase ist von 18:00 bis 6:00 Uhr morgens alles dabei.

Für deutsche Angestellte bedeutet das einerseits, dass sie sich beim Formatieren von Excel-Tabellen endlich ungestört den Zahlen widmen können. Andererseits setzt es voraus, dass die Nachbar:innen weder mit der Türkei noch mit Ghana, Marokko oder den USA mitfiebern. Denn während die FIFA peinlich genau darauf achtet, Partien zuschauerstarker Nationen auf die attraktivsten Sendeplätze zu legen, dürfen sich türkische Fans über Anpfiffe um 4:00, 5:00 und 6:00 Uhr morgens freuen.

Deutschland kickt derweil komfortabel um 19:00 beziehungsweise 22:00 Uhr. Also lieber vorsorglich bei den Nachbar:innen klingeln und erfragen, für welches Team das Herz schlägt – um an den betreffenden Tagen rechtzeitig die Ohropax in den Gehörgang zu schieben.

Boykott

Obwohl die WM in Mexiko, den USA und Kanada stattfindet, liegt der Fokus der Berichterstattung auffällig oft auf den USA. Denn während FIFA-Friedenspreisträger Trump einen aktiven Krieg mit dem Iran führt, muss das iranische Nationalteam an seinen Spieltagen das Land noch am selben Tag verlassen. Einzelne Funktionäre aus dem Iran sowie ein FIFA-Schiedsrichter aus Somalia erhalten laut „The Athletic“ erst gar kein Visum.

Doch die Einreiseprobleme betreffen nicht nur Teams und Funktionäre – auch Fans müssen um ihr Visum bangen. So konnten laut BBC mehrere schottische Fans kurzfristig nicht in die USA einreisen, weil sich ihr ESTA-Status spontan von „genehmigt“ auf „Reise nicht autorisiert“ geändert hatte. Als „inklusivste aller Zeiten“ darf die WM damit allenfalls in Bezug auf ihre Skandale gelten.

Wo kann ich die Spiele sehen?

Wer trotz allem in WM-Stimmung geraten ist, fragt sich nun: Wo sind die Spiele zu sehen? Da wäre zunächst Tipico – der freundliche Sportwetten-Anbieter von nebenan. Eifrig Wettende sollten dort eigentlich mit einer kostenlosen Übertragung aller Spiele belohnt werden. Zumindest hieß es das, bevor Tipico die Ankündigung nach wenigen Stunden von der Website nahm und damit auch die FIFA irritiert zurückließ.

Deutsche Zuschauer:innen können sich hingegen auf ARD und ZDF verlassen – also auf 60 der 104 Spiele, je nach Quotenpotenzial. Alternativ bietet sich YouTube an, wo alle Spiele übertragen werden – allerdings nur die ersten 15 Minuten.

Wer länger schauen möchte, kann auf MagentaTV umschalten: Hier werden tatsächlich alle Spiele gezeigt – mit Tom Kaulitz als „Fan-Experten“.

Musikalischer Overkill

Wem die sportlichen Aspekte der WM weniger wichtig sind, darf sich dieses Jahr über einige musikalische Highlights freuen. Passend zum Gastgeberland USA findet zum ersten Mal in der FIFA-Geschichte eine Halbzeitshow zum Finale statt. Auftreten werden Madonna, Shakira und BTS – ein mächtiges Starensemble, ergänzt durch die künstlerische Leitung von Coldplay-Sänger Chris Martin.

Auch die Eröffnungsspiele in den drei Gastgeberländern werden musikalisch begleitet. Am 11. Juni eröffnet Mexiko-Stadt die Show mit J Balvin, Tyla, Lila Downs, Los Ángeles Azules, Maná, Alejandro Fernández, Belinda und Danny Ocean.

Kanada und die USA folgen am 12. Juni: Für Kanada stehen Alanis Morissette, Alessia Cara, Elyanna, Jessie Reyez, Michael Bublé, Nora Fatehi, Sanjoy, Vegedream und William Prince auf der Bühne, während die USA Katy Perry, Future, Anitta, LISA, Rema und Tyla ins Rennen schicken.