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Young Fathers im Interview: „Wir haben eine Diskussion angestoßen“

Massaquoi: Es ging uns um das fehlende Gleichgewicht, darum, wie ungerecht die Situation für die Menschen in Palästina ist. Es herrscht Ungerechtigkeit in der Berichterstattung. Eine Seite hat nicht wirklich eine Stimme, bis auf ebendiese: den Dialog, der sich durch den Boykott ergab. Das ist unsere Chance zu sagen, dass es nicht in Ordnung für eine Regierung ist, ihr Handeln auf diese Weise reinzuwaschen.

Hastings: Es geht uns nicht darum, auf einen Zug aufzuspringen.

So oder so habt ihr euch für ein Land entschieden, das in dieser Hinsicht eine Sonderbehandlung erfährt. Israel hat einen arabischen Verfassungsrichter, während die arabische Minderheit im Iran häufig gar nicht im Staatsdienst arbeiten darf – ohne dass der Iran von vielen Künstlern boykottiert wird.

Massaquoi: Ich kann dir sagen, warum: Weil es bei anderen Ländern derzeit keine laufenden Boykotte gibt. Wenn andere Länder wegen ähnlicher Vergehen boykottiert würden, dann wären wir auch Teil davon. Es stimmt ja auch, dass Israel in vielen Aspekten ein vorwärtsgewandtes Land ist, zum Beispiel was die Behandlung Homosexueller angeht. Aber das heißt nicht, dass man die Regierung nicht kritisieren kann wie jede andere auch. Es ist viel komplexer. Ich finde unser Gesundheitssystem in Großbritannien gut. Heißt das, dass ich die Regierung mag? Nein. Das hat nichts miteinander zu tun.

Wenn Musiker Konzerte in Israel spielen, wird daraus häufig ein Politikum. Woran liegt das?

Massaquoi: Du hast recht. Es ist so schwerwiegend, dass es auf einer der beiden Seiten überhaupt keine Stimme gibt. Null. Und auf der anderen Seite einen Plan, das reinzuwaschen. Menschen in den USA, die gegen Trump sind, haben eine Stimme. Sie können darüber twittern. Sie haben Fernsehsender. Sie haben Internet. Das ist für Palästinenser nicht ohne Weiteres zugänglich.

Nun gibt es Dutzende Organisationen und viele Menschen und Medien, die sich für die Palästinenser einsetzen.

Massaquoi: Das habe ich nicht bestritten. Ich meine nur, sie haben eine kleine Stimme. Eine Stimme, die nicht ausreicht. Uns geht es nicht um diejenigen, die die Entscheidungen treffen, sondern um die, die in der Falle sitzen und versuchen zu leben und zu überleben.



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