„Zeig mir die Beweise!“ – Christian Ulmen und seine alten Interviews
Sexistische Show, sein Verhalten im Interview – nach Collien Fernandes' Vorwürfen sehen viele Christian Ulmens Vergangenheit mit anderen Augen.
Christian Ulmen steht aktuell im Kreuzfeuer der deutschen Medienbranche und der Öffentlichkeit. Vor Kurzem erhob seine Ex-Ehefrau Collien Fernandes schwere Vorwürfe gegen ihn. So soll er über Jahre gefälschte sexuelle Inhalte von ihr erstellt und diese an Männer im direkten Umfeld des damaligen Paares weitergeleitet haben. In der öffentlichen Debatte rund um den Fall wird dies als eine neue Form sexueller Gewalt bezeichnet. Seitdem die Vorwürfe publik wurden, geraten auch alte Interviews des Schauspielers wieder in den Fokus, in denen er mit fragwürdigen Aussagen und fragwürdigem Verhalten auffiel.
„Who wants to fuck my girlfriend“ aus dem Jahr 2013
Vor 13 Jahren entwickelte Christian Ulmen ein Show-Konzept, das zur damaligen Zeit auf dem Sender Tele 5 ausgestrahlt wurde und von ihm selbst in seiner Rolle als Uwe Wöllner moderiert wurde. Die Show lief unter dem Titel „Who wants to fuck my girlfriend“. Als Konzept traten jeweils zwei Männer gegeneinander an, die ihre Partnerinnen in der Show vorstellten. Diese durchliefen dann verschiedene Tests und Spiele, unterhielten dabei Männer und sammelten Punkte. Die meisten Punkte gab es, wenn einer der Männer angab, er würde mit der Freundin des Teilnehmers schlafen. Am Ende erhielt den Gewinner-Kranz mit der Aufschrift „Everybody wants to fuck my girlfriend“ der Mann, dessen Freundin die meisten Punkte gesammelt hatte.
Schon damals ernteten sowohl der Sender Tele 5 als auch Christian Ulmen enorme Kritik für das Show-Konzept, dem insbesondere Sexismus vorgeworfen wurde. Einen wirklichen Dämpfer für die Karriere des Produzenten und Schauspielers hatte das Ganze allerdings nicht zur Folge – Jahre später war er beispielsweise mit der Serie „Jerks“ erfolgreicher denn je.
Bevor die Show ausgestrahlt wurde, gab der heute 50-Jährige bei einem Roten-Teppich-Auftritt ein Interview gegenüber der ARD, in dem er über seine Arbeit an der Sendung sprach. Auffällig sind dabei seine Aussagen über die Frauen, die Teil der Sendung waren. So benutzte er damals die Formulierung: „Es treten zwei Männer darum an, wer die geilere Freundin hat.“ Im nächsten Satz kündigte er an, dass besagte Frauen „Tests durchlaufen werden, in welchen sie Freudenhäuser durchlaufen, und welche Frau die meisten Freier mit nach Hause nimmt, gewinnt“. An seiner Seite war auch seine damalige Partnerin Collien Fernandes zu sehen.
Mit den nun veröffentlichten Vorwürfen gegen den Mimen blicken viele anders auf das Interview und äußern scharfe Kritik. Auf Instagram wurde es vielfach geteilt und in einer Debatte behandelt, die sich mit der Frage beschäftigt, ob man das in den Vorwürfen geschilderte Verhalten bereits damals hätte erkennen müssen. Besagte Debatte geht vor allem aus den Kommentaren des geposteten Interviews hervor. In der Kommentar-Spalte gingen viele Menschen genau darauf ein. So liest man in einem Kommentar: „Finde es schon verstörend ohne dem ganzen Hintergrundwissen.“ Ein weiterer lautet: „Definiere „Es gab Zeichen.““
Ulmens Verhalten im „1LIVE-Fragenhagel“
Mit Blick auf die heutigen Vorwürfe fällt zudem ein Interview auf, das Christian Ulmen im Jahr 2015 im Format „1LIVE-Fragenhagel“ gab. Bei diesem Format werden Prominente einer kurzen Fragerunde ausgesetzt und müssen diese in schneller Abfolge und möglichst kreativ beantworten.
Nach ein bis zwei Einstiegsfragen sprach der Interviewer damals ein geheimes Handy an, von dem Christian Ulmen angeblich geheime SMS verschickt haben sollte. Was wohl als Streich gemeint war, beantwortete der Schauspieler allerdings wiederholt mit der Ansage: „Zeig mir die Beweise!“ Dann deutete er an, den Raum verlassen zu wollen, bevor das Thema fallen gelassen wurde und das Interview in eine andere Richtung weiterging.
Das Video war auf YouTube kurzzeitig nicht mehr verfügbar, dann aber wieder abrufbar. Auch hier entbrannte eine Debatte darüber, ob im damaligen Verhalten Ulmens bereits zu erkennen war, ob er sich gegen einen Verdacht verteidigen wollte. Nun, da die Vorwürfe öffentlich sind, hat er bekanntlich auch sehr schnell juristischen Beistand konsultiert.
Wie bereits beim Instagram-Post wird auch hier in der Kommentar-Spalte auf besagte Thematik eingegangen. Eine Person schrieb etwa: „Das ist wirklich gänsehauterregend beim Zuhören, wenn man es auf dem heutigen Stand hört. Dieser Moderator hat irgendwas geahnt oder gewusst, ich kann mir das nicht anders erklären.“ Ein weiterer Kommentar lautete: „Vor 10 Jahren …. Da hat der WDR aber inspirierend ungeahnt Ideen geweckt.“


