Soraya, Bielefeld. PC 69

BLUMEN AM MiKROSTÄNDER und flackerndes Kerzenlicht. Kein Zweifel: Intimität ist heute abend garantiert. Zumal der geneigte Chronist die attraktive Soraya nur mit knapp 200 weiteren Zuhörern teilen muß. Das Tete-a-tete beginnt überaus pünktlich. Mit vierköpfiger Begleitband betritt die in Kolumbien und den USA aufgewachsene Sängerin die Bühne. Und sofort fühlt man sich wie im privaten Separee: akustische Gitarre, dezente Instrumentalbegleitung und diese von leichter Melancholie geprägte Stimme. Soraya wirkt wie Sheryl Crows jüngere, artige Schwester. Und sie weiß um ihren Charme. Folgerichtig wickelt sie das Publikum lässig um den kleinen Finger. Songs wie „Love In Your Eyes“,“Reason To Believe“ und das ihrer verstorbenen Mutter gewidmete „On Nights Like This“ sind mit reinem Trauerstoff überzogen. Soraya, im nabetfreien Shirt, mit engem Maxi-Rock und Plateau-Stiefeletten, unterstreicht die Songwirkung mit wohldosiertem Lächeln und unwiderstehlichen Augenaufschlägen. Zwischendurch probiert sie neue Songs wie „Speak Of Pain“ auf ihre Wirkung hin aus, spielt ein paar kolumbianische Volkslieder und freut sich ehrlich über die begeisterten Publikumsreaktionen. Und sie beweist musikalisches Temperament. Soll niemand glauben, daß der schönen Latin Lady Zierleisten abbrächen, wenn sie auf der Trommel im karibischen Rhythmus mitgroovt. Einen Lacherfolg erzielt Soraya zudem: als sie die launige Geschichte ihres TV-Auftritts bei „Geld oder Liebe“ zum besten gibt, wo neben ihr ein „weltberühmter deutscher Jazzer“ auftrat. Mit breitem Grinsen verrät sie: „Seine bekannteste Melodie ging etwa so“, und intoniert dann, na, was wohl? Helge Schneiders „Katzeklo“. Als dritte Zugabe gibt sie dem begeisterten Publikum zum Abschied eine wunderbare spanische Version ihres Hits „Suddenly“.

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