Bruce Springsteen


Born To Run (197S)

89 „The Screen Door slams, Mary’s Dress waves“ — und Bruce aus New Jersey legt ein Jahrhundert-Album vor, das ihn über Nacht zum „Boss“ werden läßt. „Greetings from Asbury Park“ war bemerkenswert. „The Wild, The Innocent And The E-Street-Shuffle“ stark – „Born To Run“ aber war vor allem anders: Energischer, kraftstrotzender und optimistischer, eine Sammlung leibhaftig gewordener Rock’n’Roll-Klischees. Natürlich geht’s auch hier mal wieder um geplatzte Träume und enttäuschte Hoffnungen, aber in Songs wie „Thunder Road“ oder dem epochalen Titelstück blitzt ein rebellisch-trotziger Optimismus durch, wie ihn Springsteen seitdem nie wieder in seine Drei-Akkord-Melodramatik gepackt hat. „Born To Run“ handelt vom Älterwerden und von den immer neuen Aufbrüchen des Lebens: „Los, hau’n wir ab — draußen im Jungleland“ gibt’s immer einen abgewrackten Caddy und eine Straße raus aus dem Dreck. Baby, we are born to run!“. Springsteens drittes Album markiert auch die Wende zum dick-fetten Sound der E-Street-Band: Roy Bittan hat die Linke fast permanent auf der Orgeltastur. während die Rechte Perlen-Arpeggios auf das Piano zaubert. Das Gebläse kommt von den Brecker-Brothers, Clarence Clemence Saxophon jagt dazwischen, Max Weinberg drischt auf sein Kinderschlagzeug. Und Springsteen singt wie ein Besessener, als müßte er seine rauhrauchige Stimme an geschwollenen Polypen vorbeiquetschen. Und immer das klassische Song-Muster: Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, und ab in die pathetische Moll-Überleitung zum Telecaster-Solo. Fazit: Noch immer Springsteens bestes Werk und auch sonst ein Mythos von einem Album.