Die Toten Hosen: Die wichtigsten Alben im Überblick
Von „Opel-Gang“ bis „Laune der Natur“. Wir ordnen die wichtigsten Platten der Band ein.
Ein Blick auf das Werk von Die Toten Hosen.
Opel-Gang (1983)
„Hofgarten“, „Kontakthof“, „Bis zum bitteren Ende“, „Wehende Fahnen“, „Opel-Gang“, „Ülüsü“ – lauter Klassiker, von denen einige noch heute im Live-Programm der Toten Hosen zu finden sind. Kuddel spielt den größten Teil der Instrumente ein, die anderen sind noch zu schlecht. Trotzdem die beste deutsche Punk-Platte. Finden viele – und nicht nur Hosen-Fans. Lief damals in jedem Jugendzentrum, kam aber trotzdem erst zum 40. Geburtstag des Albums erstmals in die Charts.
Fünfeinhalb Sterne
Ein kleines bisschen Horrorshow (1988)
Im Nachhinein ganz schön unglaublich, dass die Hosen so früh schon für eine Inszenierung an den Kammerspielen – of all places – Bad Godesberg engagiert wurden. Damals kam natürlich gleich der Hochkultur-Vorwurf. Die Arbeit für „A Clockwork Orange“ lieferte die Hälfte der Albumsongs, darunter das unkaputtbare „Hier kommt Alex“. Zudem ist „1000 gute Gründe“ ein prima – und ein Jahr vor dem Mauerfall beängstigend prophetischer – Abgesang auf unguten Patriotismus.
Viereinhalb Sterne
Kauf mich (1993)
Ein Konzeptalbum! Mit Werbespots, grafischer Gestaltung, erstaunlich viel Witz und Instant-Hosen-Klassikern wie „Sascha … Ein aufrechter Deutscher“ und „Wünsch Dir was“ arbeitet sich die Band an der Konsumgesellschaft ab. Mit KAUF MICH!, ihrem ersten Nummer-eins-Album, werden Die Toten Hosen – Ironie der Bandgeschichte – endgültig zu den größten Rockstars des Landes. Und ganz nebenbei schreibt Campino mit „Alles aus Liebe“ seinen ersten Lovesong, der tragisch endet.
Fünf Sterne
Opium fürs Volk (1996)
Im Vorfeld der Aufnahmen hatte sich Campino zum ersten Mal in eine Benediktinerabtei im Sauerland zurückgezogen; folgerichtig beginnt das Album mit dem „Vaterunser“, arrangiert als gregorianischer Choral. Die Sache mit der Religion ist ihm dann doch nicht geheuer: „Ich will nicht ins Paradies / Wenn der Weg dorthin so schwierig ist.“
„Paradies“ ist nicht die einzige Bandhymne, die hier abfällt: „Nichts bleibt für die Ewigkeit“ und „Bonnie & Clyde“ singen bis heute Zehntausende fehlerfrei mit. Das ebenfalls sehr beliebte „Zehn kleine Jägermeister“ zeigt genau, wo Die Toten Hosen 1996 stehen: zwischen Fun-Punk und gesellschaftlicher Relevanz, zwischen Saufspielchen und politischer Verantwortung – und schlussendlich am Scheideweg der Bandgeschichte zwischen Punk-Vergangenheit und einer sagenhaft erfolgreichen Deutschrock-Zukunft.
Fünf Sterne
Zurück zum Glück (2004)
Etwas geht zu Ende – das merkt man dem Album an. Die Band versucht noch einmal etwas, dabei passiert mitunter tatsächlich musikalisch Interessantes. Ein Cello taucht auf, ein Orchester und Synthesizer sind dabei, und das skurrile „Walkampf“ ist die vielleicht seltsamste Single der Hosen-Geschichte. Geschrieben ist der Song von Funny van Dannen – und beweist letztendlich, dass der Humor des zeitweiligen Campino-Kooperateurs auf Dauer doch nicht so richtig kompatibel ist mit dem Hosen-Kosmos. Zum letzten Mal produziert Jon Caffery.
Vier Sterne
In aller Stille (2008)
Das erste Album, das nicht von Caffery produziert wurde. Der wird später leicht beleidigt sagen, die Hosen seien nicht mehr Punkrock. Natürlich hat er Recht. Dafür sind die Hosen unter der Regie von Vincent Sorg nun plötzlich eine überraschend tighte Hardrockband. Inhaltlich ist IN ALLER STILLE das dunkelste Kapitel der Bandgeschichte: Es geht um Schmerz und Bitternis, ums Vergessen und um Illusionen, von denen man sich verabschieden muss. Songs heißen „Pessimist“ oder „Leben ist tödlich“, und in „Ertrinken“ fragt sich Campino: „Warum ist man auch zu zweit meistens allein?“ Der schönste Moment ist zweifellos das Duett mit der Schauspielerin Birgit Minichmayr: „Auflösen“ geht als berührendste Ballade in die lange Bandgeschichte ein.
Viereinhalb Sterne
Ballast der Republik (2012)
„Tage wie diese“. Die Folgen sind bekannt – und wurden schon befürchtet. In „Schade, wie kann das passieren?“ singt Campino: „Wir sind nicht zu kaufen / Wir haben keinen Preis / Und ihr könnt uns nicht begraben / Solang‘ wir noch am Leben sind.“
Vier Sterne
Laune der Natur (2017)
So wie es aussieht, das 16. und vorletzte Studioalbum der – ja, doch – bedeutendsten deutschen Rockband. Dazu gibt es eine zweite Auflage von LEARNING ENGLISH mit Coverversionen von Punk- und Wave-Evergreens und einer beeindruckenden Gästeliste.
Dreieinhalb Sterne







