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Ein Kritiker wurde gefeuert, weil er einen Rape Joke zum Tode Bernardo Bertoluccis gemacht hat

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In den USA gibt es sie ja noch, die halbwegs prominenten Filmkritiker. Einer davon ist David Edelstein. Er ist Chefkritiker des „New York Magazin“, prägte den Ausdruck „torture porn“ und war bei der Radiosendung „Fresh Air“ als Experte tätig. Letztgenannten Job ist Edelstein nun los, der zuständige Sender hat ihn gefeuert. Grund dafür ist ein extrem geschmackloser Facebook-Post, den Edelstein nach dem Tod des italienischen Regisseurs Bernardo Bertolucci abgesetzt hat.

Bernardo Bertolucci starb am Montag im Alter von 77 Jahren. Der Regisseur gewann 1988 neun Oscars mit seinem Film „Der letzte Kaiser“, am berühmtesten ist allerdings sein Skandalfilm „Der letzte Tango in Paris“ (1972), in dem er eine wilde Affäre zwischen Marlon Brando und Maria Schneider zeichnet. Eine Szene aus dem Film sorgte mehr als 40 Jahre nach dem Release für heftige Diskussionen und beschädigte das Image des Regisseurs schwer.

Keine Reue beim Regisseur

In besagter Szene bespringt Marlon Brando seine junge Kollegin gegen ihren Willen, zwingt sie zum Sex. Die Szene stand so im Drehbuch, ein Detail aber nicht: Marlon Brando griff mit seiner Hand in Butter und schmierte die Butter in den Schritt der 19 Jahre alten Maria Schneider. Das Entsetzen über die Übergriffigkeit Brandos ist der Schauspielerin anzusehen, lange Zeit galt die „butter scene“ deshalb als gut gespielt. Bis Bertolucci 2013 in einem Interview erzählte, dass die junge Frau nichts von dem Griff in die Butter wusste, diesen hätten sich Brando und er kurz vor dem Dreh überlegt.

Die Methode beim Dreh der Szene tue Bertolucci im Nachhinein leid, sagte er 2013, die Szene an sich bereue er allerdings nicht. Die Aussagen lösten 2016, als das Interview noch einmal hochgespült wurde, Entsetzen aus. Immerhin hat Maria Schneider einige Jahre zuvor darüber gesprochen, dass sie sich nach dem Dreh missbraucht, gar vergewaltigt gefühlt habe. Es spricht wenig dagegen, den nun verstorbenen Regisseur als Ekel einzuordnen – aller Erfolge zum Trotz.

Alle Beteiligten der Butter-Szene sind mittlerweile tot. Brando seit 2004, Schneider seit 2011, Bertolucci seit wenigen Tagen. Und trotzdem, so sehen es zumindest die Produzenten der Radioshow „Fresh Air“, ist es inakzeptabel, über die Szene Witze zu reißen. „Even grief is better with butter“, schrieb David Edelstein am Montag auf Facebook – „Sogar Trauer ist mit Butter besser“. Dazu teilte er ein Bild aus besagter Szene.

Die Reaktionen darauf waren teils verheerend. Edelstein nutzte den Tod eines Menschen als Anlass für einen Witz über den Missbrauch einer jungen Frau. Die Konsequenz folgte wenig später, „Fresh Air“ trennte sich von Edelstein. Auch andere Engagements des Kritikers könnten nun in Gefahr sein. Eine Entschuldigung, die Edelstein später veröffentlichte, konnte die Kündigung nicht mehr abwenden.

 

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