„Feiern ist politisch“: Felix Kummer über Leben, Tod und Kraftklub
Kraftklub-Sänger Felix Kummer erklärt, warum der Tod kein Tabu sein sollte, was Mexikos „Día de los muertos“ verändert hat und fragwürdige Entwicklungen von einst progressiven Artists.
Kraftklub haben Ende November 2025 eine neue Platte herausgebracht. Grund genug, um Felix Kummer fünf schnelle Fragen zu stellen. Ein Gespräch über das Tabu-Thema Tod, Rausch und Exzess und fragwürdige Entwicklungen von einst progressiven Artists.
Was ist schlimmer: STERBEN IN KARL-MARX-STADT oder leben in Chemnitz?
Jesus Christus! Das geht ja gut los hier.
Ihr seid jetzt alle ungefähr Mitte dreißig. Ist das alt genug, sich so intensiv mit dem Tod zu beschäftigen?
Na ja, wir hätten uns auch gern erst viel später mit ihm beschäftigt. Aber so ist das mit dem Tod: Auch wenn man so tut, als gäb’s ihn nicht, taucht er auf.
Warum gerade jetzt?
Viele der Texte lagen schon eine ganze Weile angefangen bei mir rum, aber ich wusste nicht, ob man daraus Lieder machen kann. Merkt man ja auch bei deiner Frage davor: Der Tod ist irgendwie ein Tabu-Thema. Wir alle beschäftigen uns damit erst irgendwann, an einem fernen Tag in der Zukunft. Wenn überhaupt. Eigentlich will da keiner drüber sprechen, geschweige denn singen. Und uns ging es genauso. So sind wir halt sozialisiert hier. Dann wurden wir vor zwei Jahren von Panteon Roccoco nach Mexiko City eingeladen, um mit denen ein paar Konzerte zu spielen. Zur gleichen Zeit haben die dort den „Día de los muertos“ gefeiert. Was ja eine ganz andere Art ist, mit dem Tod umzugehen. Und irgendwie waren wir davon wahrscheinlich so ein bisschen inspiriert. Noch in Mexiko City haben wir die ersten Demos angefangen.
Neben dem Tod ist Feiern das zweite große Thema, exemplarisch in „Wenn ich tot bin, fang ich wieder an“. Sind Rausch und Exzess der einzige Ausweg aus der aktuellen Krise?
Da, wo wir herkommen, so wie wir aufgewachsen sind, ist Feiern politisch. Es ging immer auch um die Suche nach Orten, wo Leute sein können, wie sie sind. Alternative Plätze, an denen Menschen nicht dumm angemacht werden, weil sie anders sind. Die Nacht als großes Versprechen, sich darin verbunden zu fühlen. Rausch und Exzess sind gefühlt nur die Begleiter, geht auch ohne, aber manchmal schon lustig mit.
„Aber du kannst nichts dagegen tun, irgendwann wirst du rechts“, singst du. Wann wird euch das passieren?
Na, das ist ja die Frage. Es sind ja immer nur die anderen. Aber was, wenn die Leute in zwanzig Jahren auch ihre Kraftklub-Tattoos bereuen, weil wir angefangen haben, irgendwelche kruden Thesen in Podcasts zu erzählen? Ich fand das schon spektakulär, wie sich manche progressive Künstler:innen und Persönlichkeiten entwickelt haben, die ich bewundert habe. Aber auch im Bekanntenkreis haben wir das beobachtet. Auffallend oft so ab Anfang fünfzig. Da wiederum hätten wir noch ein paar Jahre, es bleibt spannend.





