Giant Sand Contor Of Th* Univart«


82 Giant Sand-Chef Howe Gelb begann seine Musikerkarriere eher als Happening-Künstler, denn auf formal schlüssige Strukturen hinarbeitender Songwriter. Der Wendepunkt kam man erst mit dem achten Giant Sand-Album „Center Of The Universe“: Hier befinden sich erstmals durchstrukturierte Songs in der Mehrheit gegenüber wüsten Lärmorgien a lä Velvet Underground. Die als Background-Chor wirkenden „Psycho Sisters“ Susan Cowsill und Vicky Peterson implantieren eine starke melodische Fülle, der ehemalige Green On Red-Keyboarder/Gitarrist Chris Cacavas addiert satte Orgelklänge. An der musikalischen Basis der Wüstensöhne aus den Tiefen Arizonas ändert sich dennoch nichts: Rohe Punk-Energie trifft auf folknahe Erzähltradition, sparsame Arrangements konkurrieren mit wütenden Feedback-Kollagen. Freigeist Gelb akzeptiert keine stilistischen Grenzen und zitiert Bob Dylan und Hank Williams ebenso selbstverständlich, wie Frederic Chopin und schrägen Piano-Jazz. Was auf den ersten Blick wie eine egozentrische Spielerei anmutet, offenbart sich als ein in sich geschlossenes Gesamtkunstwerk. Gelbs für seine Verhältnisse ungewöhnlich konventionelles Songwriting macht „Center Of The Universe“ auch für Giant Sand-Neulinge interessant: Song-Schätze wie „Loretta And The Insect World“, „Year Of The Dog“ oder „Stuck“ sprengen das Minderheiten-Verdikt angeblich schwer genießbarer Untergrund-Klänge.