Hilfe, mein Kumpel ist Rockstar!


Killing Bono von Neil McCormick

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Die Memoiren eines Schulfreunds, dessen Band nie schaffte, was U2 gelang

„Ich wusste schon immer, dass ich eines Tages berühmt werde“ ist der erste Satz dieses Buches. Ein so oder ähnlich bereits mehrfach verwendeter Einstieg zu einem dankbaren Memoiren-Untergenre: Es packt die Leser bei deren eigenen Wunschträumen und unterhält sie, wenn denn der Autor mit ausreichend selbstironischem Humor zu schreiben vermag. Das kann Neil McCormick, der mit Frankie Corpse & The Undertakers, Yeah! Yeah! und Shook Up! eben nicht zum Star wurde. Doch die Geschichte von McCormick, heute Popkritiker des „Daily Telegraph“, hat noch einen besonderen Dreh: Er ging in Dublin auf die Mount Temple Comprehensive School, wo ein gewisser Paul Hewson ein Schulfreund war – und sich unter dem Namen Bono alle Träume des jugendlichen Neil McCormick erfüllen sollte. Die beiden haben über die Jahre den Kontakt zueinander gehalten, und gelegentlich klagte McCormick über sein Schicksal, bis Bono sagte: „Ich bin dein Doppelgänger. Wenn du dein Leben zurückwillst, musst du mich umbringen.“

In seinen Erinnerungen verwebt McCormick geschickt seine tragikomischen Versager-Anekdoten mit Szenen des unaufhaltsamen Aufstiegs von U2. Er bleibt loyaler Fan der Rockgruppe, bei deren ersten Proben zu allem Überfluss auch noch sein Bruder Ivan McCormick mitspielte – der als Gitarrist mehr als zehn Jahre lang an Neils Seite versucht, ebenfalls berühmt zu werden. Als schließlich nach all den gescheiterten Deals und zerstobenen Hoffnungen die erste Single fertig ist, geht natürlich prompt der Vertrieb pleite.

„Killing Bono“ ist eine Hommage an all jene Talente, deren Grabinschrift lauten könnte: „Hätte sein können. Hätte sein sollen. Wenn doch nur.“ Über die Filmversion des bereits im Jahre 2001 im englischen Original erschienenen Buches schreibt McCormick: Er habe schon immer gewusst, dass sein Leben irgendwann verfilmt werde, aber er habe nicht gedacht, „dass man daraus eine Komödie machen würde“.

Felix Bayer